Dave Eggers blickt in seinem Roman “Die Parade” in den Abgrund – Top News

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Im ersten Fall bekommen wir es mit einem Typen zu tun, den schon der Buchtitel mit Fanfarenstoß ankündigt: “Der größte Kapitän aller Zeiten”.

Der Mann wird zum neuen Schiffsführer des Ozeanriesen “Glory” ernannt, weil alle Gauner an Bord meinen, ausgerechnet dieses ahnungslose Großmaul, das als Kopfschmuck eine gelbe Feder trägt, sei genau der Richtige.

Was der ganz toll findet.

“Lasst mich Kapitän werden!”, brüllte der Mann mit der gelben Feder.

Er hatte nie ein Schiff irgendwelcher Art kommandiert.

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Tatsächlich verabscheute er alle auf dem Schiff, außer sie waren bereit, ihm Geld zu leihen – oder aber es handelte sich um Frauen in Badeanzügen.

Die zweite Neuerscheinung von Dave Eggers, sein Roman “Die Parade” führt uns, wie schon sein Zeitroman “Ein Hologramm für den König” in Weltgegenden wo NGOs, Wirtschaftshelfer und Techniker Aufbauhilfe leisten: In einem afrikanischen Staat, der gerade noch vom Bürgerkrieg zerrissen war, soll als Friedensprojekt eine Straße zwischen dem armen Süden und der Hauptstadt im Norden errichtet werden.

“Vor allen Dingen musste die Straße rechtzeitig für die Parade fertig werden.

Nach dem Willen des Präsidenten, der für große politische Inszenierungen bekannt war, sollte der Festzug das Ende des Krieges ebenso symbolisieren wie den Beginn von Frieden und Wohlstand”, heißt es im Roman.

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Berühmt wurde Eggers mit seinem Roman “The Circle”.

Jetzt sind gleich zwei neue Bücher des US-Autors auf Deutsch erschienen: Eine Trump-Satire und ein plakativer, aber raffinierter Roman: “Die Parade”.

Dave Eggers ist der Sozialarbeiter und Aktivist der amerikanischen Literatur.

Vor allem aber ist er ein Erfinder anspielungsreicher Plots, in denen Gegenwartsprobleme teils realistisch, teils modellhaft beleuchtet werden.

Vieles gelingt ihm dabei, manches geht schief.

Die beiden Eggers-Novitäten, die nun erscheinen, liefern dafür ein Beispiel.

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Insgesamt allerdings dümpelt Dave Eggers’ satirische Attacke ohne besondere Treffer oder komische Glanzstücke dahin.

Von Trumps Taten und Absichten, seinen Steuersenkungen, der Schwächung staatlicher Institutionen, seiner Funktion als Marionette der Superreichen wird hier nichts auf den entlarvenden Punkt gebracht.

Wofür soll das Ganze also gut sein? Vielleicht für Leute, denen die realsatirische Überpräsenz des Titelhelden in den Medien noch nicht reicht.

Aber Vorsicht! Die gelbe Feder auf dem Kopf des Kapitäns kann es mit Trumps gelber Haartolle in keiner Hinsicht aufnehmen.

Nummer vier ist ein beinharter Technokrat und Effizienzfanatiker, Neun dagegen ein Lebenskünstler und Menschenfreund, der sich nicht davon abhalten lässt, ins soziale und sexuelle Leben abseits der Piste einzutauchen.

Beide umreißt er scharf in Dialogen: “‘Ist dir aufgefallen, wie viele Geschäfte bereits aus dem Boden geschossen sind?’, schwärmte Neun.

‘Der Optimismus der Leute ist wie die Geburt eines Sterns.

Er strahlt.

Geht es dir auch so?’ Vier sah auf seine Uhr.

Er musste für die Firma einen Bericht über das Tagespensum schreiben.

“Der größte Kapitän aller Zeiten”

Satire ohne Biss

“Die Parade”

Eine perfekte Helikopter-Technologie

Eine Straße für die Sieger

Eine Trump-Satire also, in Gestalt der alten Metapher vom Staatsschiff und seinem Kapitän.

Umgeben ist dieser unfähige Schiffsführer von Speichelleckern und Gaunern aller Art, er hat eine barbieschöne Tochter, und alle klugen Bücher über Schifffahrt wirft er genauso über Bord wie sein Vorbild im Weißen Haus alle Regeln.

Warum aber haben seine Anhänger, die hier als Bande eitler Gockel firmieren, so einen aufgeblasenen Taugenichts überhaupt zu ihrem Anführer gemacht? “In den Augen der eitlen Gockel war dieser neue Kapitän aufrichtig und ungeschminkt.

Weil er nicht richtig schreiben konnte, weil er keine Scham kannte, weil er aus dem Stegreif log, war er der ehrlichste Kapitän, den sie je gekannt hatten”, heißt es im “Kapitän”.

Ermöglichen sollen das Schaufensterprojekt zwei Männer mit einer Riesenaphaltiermaschine.

Aus Sicherheitsgründen tragen sie die Decknamen Vier und Neun.

Vier steuert die Maschine, Neun fährt mit einem Quad voraus, um für freie Bahn zu sorgen.

So will man in zwölf Tagesschichten die 230 Kilometer bis zur Hauptstadt bewältigen.

Ob so etwas technisch überhaupt machbar wäre, fragen wir lieber nicht.

Entscheidend für Idee und Handlung des Romans ist, dass Dave Eggers das Bild einer perfekten Helikopter-Technologie zeichnet, die aus in das Entwicklungsland eingeflogen wird, um dort Wunderwerke zu verrichten.

Und zwar möglichst ohne Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, weil daraus nur zeitraubende Komplikationen entstehen können.

Genau damit aber ist der Konflikt angelegt, der die Handlung in Gang bringt.

Berühmt wurde Eggers mit seinem Roman “The Circle”.

Jetzt sind gleich zwei neue Bücher des US-Autors auf Deutsch erschienen: Eine Trump-Satire und ein plakativer, aber raffinierter Roman: “Die Parade”.

Dave Eggers, “Die Parade”, übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann ist der Roman bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Das Ende ist brutal.

Darin steckt eine große Anklage, die erneut beweist, dass Dave Eggers, obwohl er sich zweifellos eine bessere Welt wünscht, keine Scheu hat, in Abgründe zu blicken.

Sein Roman beginnt modellhaft wie ein Sandkasten-Spiel.

Doch daraus entwickelt sich ein spannendes parabelhaftes Tableau von atmosphärischer Dichte, mit kräftigen kritischen Schlaglichtern auf die Entwicklungshilfeindustrie und ihre Nutznießer.

Zweifellos hat “Die Parade” etwas Plakatives.

Aber das Plakat, das hier gezeichnet wird, schlägt ein, direkt und raffiniert zugleich.

Dave Eggers, “Der größte Kapitän aller Zeiten” ist übersetzt aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Neuns Neugier und Abenteuerlust führen zu Komplikationen und Notlagen.

Dadurch wird auch Nummer Vier aus seinem Maschinen-Cockpit in die schwer durchschaubare afrikanische Wirklichkeit hineingezogen, zunächst erfüllt von Panik, Widerwillen und Misstrauen.

Dann lernt er die Menschen, mit denen er es zu tun bekommt, zu schätzen, er gewinnt Einblicke in die Fronten, die auch nach dem Bürgerkrieg fortbestehen, er begreift, dass die Straße, die er baut, für die Einheimischen zur Lebensader werden kann.

Nach Vollendung der Arbeit und nach der Ankunft in der Hauptstadt zeigt sich aber, was der Romantitel “Die Parade” schon andeutet.

Diese Straße soll nicht dem Volk, sondern den Siegern dienen: “Vier sah eine Reihe von Lastwagen, die den großen Sammelplatz für die Parade verließen.

Die Lastwagen waren Truppentransporter, sechs an der Zahl, nebeneinander, dann zwölf, in enger Anordnung.

Dave Eggers blickt in seinem Roman “Die Parade” in den Abgrund

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