“Der 8. Mai wäre endlich ein vernünftiger Feiertag!” – Top News

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Konstantin Wecker: Das war ein ganz wichtiger Moment.

Ich bin ja der klassische Alt-68er – bei unseren Demonstrationen haben wir genau dafür gekämpft

Judith Heitkamp: Tag der Befreiung – der 8.

Mai hieß nicht immer so in Deutschland.

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Von Befreiung sprach Richard von Weizsäcker 1985, in einer Rede, die viel Aufsehen erregt hat.

War das für Sie ein wichtiger Perspektivwechsel?

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Konstantin Wecker singt seit fast fünf Jahrzehnten gegen die Verdrängung der NS-Zeit, diesen Samstag überträgt die BR KulturBühne ein Livekonzert.

Im Interview erzählt der Liedermacher, welche Botschaften und Denkanstöße ihm besonders wichtig sind.

Er ist eine Institution im Kampf gegen die Geschichtsvergessenheit: der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker.

Am 9.

Mai gibt er mit Gästen wie Esther Bejarano und Carla Lara ein Konzert zum 75.

Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus.

Übertragen wird das Konzert als Livestream auf der BR Kulturbühne, um Spenden zugunsten von Künstlern in Not wird gebeten.

Im Interview mit kulturWelt-Moderatorin Judith Heitkamp erzählt Konstantin Wecker, welche Anliegen ihm sonst noch wichtig sind.

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen.

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75 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus sind in vielen Ländern rechte Bewegungen auf dem Vormarsch – milde ausgedrückt.

Kann man denen mit Musik beikommen?

Das Entscheidende ist, immer wieder daran zu denken, dass wir 75 Jahre vom Hitler-Faschismus befreit sind.

Da darf man überhaupt nicht daran rütteln.

Ich bin ja befreundet, Gottseidank befreundet mit der wunderbaren Esther Bejarano, der Holocaust-Überlebenden, die immer noch auf der Bühne ist mit ihren 94 Jahren.

Sie fordert jetzt, diesen 8.

Mai zum Feiertag zu machen.

Das finde ich völlig richtig, das wäre endlich mal ein vernünftiger Feiertag.

Ja! Ein Tag des Friedens und ein Feiertag soll es sein!

Es gab noch mehr Veränderungen im Blick auf diesen Tag, durch die deutsche Einheit zum Beispiel.

Was ist für Sie heute das Entscheidende?

Konstantin Wecker singt seit fast fünf Jahrzehnten gegen die Verdrängung der NS-Zeit, diesen Samstag überträgt die BR KulturBühne ein Livekonzert.

Im Interview erzählt der Liedermacher, welche Botschaften und Denkanstöße ihm besonders wichtig sind.

Weil es uns wichtig war, zu sehen und zu zeigen, dass dieser Tag nie, nie, niemals vergessen werden darf.

Ich habe einiges aus meinen Liedern der letzten fast 50 Jahre ausgesucht, da waren immer wieder antifaschistische Lieder dabei.

Für mich persönlich ganz spannend zu sehen, was sich da getan hat .

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Morgen kriegen wir hoffentlich eine Grußbotschaft von Mikis Theodorakis, von dem werde ich auch ein Lied singen aus der Mauthausen-Kantate, es wird die wunderbare Sängerin Carla Lara aus Honduras zugeschaltet, und zwei Sängerinnen aus meinem Label werden zu Gast sein, Sarah Straub und Tamara Banez.

Ich glaube, wir können an diesem Abend zeigen, wie wichtig es ist, mit Dichtung und Kunst Mut zu machen.

Mir selbst waren mein Leben lang Leute wichtig wie Erich Mühsam zum Beispiel, der Dichter, den die Nazis so brutal umgebracht haben, oder Mascha Kaleko, die ich über alles liebe, die jüdische Dichterin, die nach 1933 emigrieren musste – die mir persönlich immer Mut gemacht haben.

Sie spielen morgen ein Konzert zum 75.

Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, zu streamen auf der BR Kulturbühne.

Und Esther Bejarano wird auch dabei sein.

Das ist aber nicht nur ein Konzert.

Sie haben ehemalige KZ-Häftlinge eingeladen und WiderstandskämpferInnen.

Mit Musik kann man einer Bewegung nicht beikommen.

Aber man kann mit Musik und Liedern und Gedichten Mut machen all denen, die bereit sind zum Widerstand.

Mir fällt in den letzten Jahren an den Rückmeldungen vermehrt auf, wie die Leute sich freuen.

Ein älterer Herr hat mal zu mir gesagt, ich wollte den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, man kann ja eh nix machen – jetzt war ich in Ihrem Konzert, und ich verspreche Ihnen, ich engagiere mich weiter.

Das ist für mich eines der schönsten Komplimente, die man als Künstler bekommen kann in diesen Zeiten.

Wie haben Ihre Lieder zu diesem Thema sich in den letzten fünf Jahrzehnten verändert?

Ich hoffe sehr, dass Leute wie Alexander Gauland von der AfD, der sich ja auch zu diesem Feiertag 8.

Mai geäußert hat, in unsäglicher Weise – ich hoffe, dass diese Leute nicht zu Wort kommen werden und nicht ein Übergewicht bekommen.

Und ich hoffe, dass diejenigen, die immer vergessen und die Vergangenheit ruhen lassen wollen, dass die kein Recht haben werden und kein Recht bekommen werden mit ihren unsäglichen Aussagen.

Wir dürfen das, was geschehen ist, nie vergessen.

Mein Freund Hannes Wader hat mir mal gesagt, er denke jeden Tag an den Holocaust.

Es ist wichtig, auch sich selbst zu warnen, wie Trägheit einen verführen kann, nicht mehr widerständig genug zu sein.

Es ist ja auch eine der letzten Gelegenheiten, ein Konzert so zu veranstalten – mit Zeitzeugen.

Was ändert sich, wenn man das nicht mehr machen kann?

Verändert haben sie sich vor allem musikalisch.

Der Grundtenor hat sich nicht so sehr geändert.

Wenn ich überlege – vor Jahrzehnten entstand das Lied “Sage nein”, bei den ersten Anschlägen der Neonazis damals, wo man noch gedacht hat, das sei einmalig und werde nie wieder passieren.

Und vor eineinhalb Jahren entstand das Lied “Das Leben will lebendig sein”, da ging es um die Hetzjagd in Chemnitz.

Da habe ich gemerkt, da ist ein Bogen dabei.

Aber natürlich ändert sich in der Art der Gestaltung immer etwas, wenn man so lange Musik macht.

Man wird ein anderer, auch musikalisch.

“Der 8.

Mai wäre endlich ein vernünftiger Feiertag!”

Es gibt auch eine neue Version vom Lied “Willy”, das den Ausnahmezustand zu Corona-Zeiten mit einbezieht.

Da werde die Diktatur schon mal eingeübt, singen Sie.

Andererseits – jetzt mit den Lockerungen erleben wir gerade die Macht der Wirtschaftsinteressen und der Lobbys.

Wie sehen Sie das Verhältnis im Moment?

Das finde ich nicht angemessen.

Das ist meines Erachtens eine Polemik, wenn man da von einem Krieg spricht, weil man unbedingt wieder Gegner und Feinde suchen möchte.

Ich finde es nicht richtig.

Es ist eine Krise, die man ernst nehmen muss.

Es ist eine Krise, in der viele Meinungen gehört werden müssen.

Ich finde es wichtig und richtig, und das ist unser Recht, als Bürger auch andere als die gängigen Meinungen zu hören, und dann kann man sich selbst ein Bild machen.

Aber ganz sicher ist, dass wir uns so verhalten müssen, dass dieses Virus nicht lebensgefährlich andere ansteckt.

Und dann ist da diese komische Parallelität des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkriegs und des Corona-Ausnahmezustands, bei dem manche Politiker auch von einem Krieg sprechen.

Finden Sie das angemessen?

Das Hauptproblem ist diese Macht der Wirtschaftsinteressen.

Es ist für mich unbegreiflich, wieso Autofirmen, die Teile ihres Konzerns ausgelagert haben in Steuerparadiese, von uns Steuerzahlern Geld bekommen! Es ist für mich unbegreiflich, wie Rheinmetall immer noch Waffen herstellen kann und saugut daran verdient in dieser schrecklichen Zeit, anstatt dass man sagt, Rheinmetall, hört auf, Waffen herzustellen, wir brauchen keine Kriege, wir brauchen medizinische Geräte! Das ist das, was mir Angst macht.

Ich persönlich fühle mich immer sehr viel wohler, wenn mir etwas nicht verboten wird, sondern wenn ich etwas aus meiner Einsicht heraus freiwillig mache.

Ich bin da zwiegespalten, wie viele andere Menschen sicher auch.

Wir halten Abstand, weil wir wissen, dass es jetzt wirklich vernünftig ist.

Aber das muss mir nicht unbedingt Herr Söder erzählen.

Ist was falsch gelaufen, dass jetzt alle nur darauf gucken, was verboten ist oder verboten war oder nicht mehr verboten ist? Es kann ja trotzdem vernünftig sein, erlaubte Dinge nicht zu tun.

Oder umgekehrt.

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