Der Imam: Seelsorger und Streitschlichter in Corona-Zeiten – Top News

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“Es tut weh, diese Ausnahme-Situation: Ein Ramadan ohne Moschee, ohne Gemeinschaft.

Keine Umarmungen, keine Gespräche, keine Begegnungen.

Das schmerzt in der Seele“, sagt Ahmad Popal.

Der Münchner weiß, wie wichtig gerade für die gläubigen Muslime die Gemeinschaft ist.

Das Fasten soll die innere Einkehr unterstützen, die Selbstfindung und die Hinwendung zu Gott.

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Aber wenn die Sonne untergeht, wird allabendlich im Kreis von Familie und Freunden gefeiert, in der Moschee oder daheim.

Doch das gemeinsame Fastenbrechen, Iftar genannt, ist zu Corona-Zeiten nicht möglich.

Ahmad Popal ist Imam in München.

Der 29-Jährige bekommt täglich Anrufe von seinen Gemeindemitgliedern.

Wie erträgt man die Einsamkeit? Was tun bei Ehestreitigkeiten? Und wie sollen Jugendliche die Anspannung der Älteren aushalten?

Imam Ahmad Popal steht der Münchner Gemeinde unabhängiger Muslime vor.

Von ihm wird viel erwartet: Der Imam ist das religiöse Oberhaupt einer muslimischen Gemeinde, er hat Islamische Theologie studiert und leitet Gottesdienste.

Außerdem soll er auch vermitteln, zwischen den Kulturen und zwischen den Gläubigen.

Jetzt, im Ramadan, wird diese Herausforderung für den Imam noch größer – denn der Fastenmonat hat ohne gemeinsame Gottesdienste begonnen.

Nur seine jüngere Schwester Tamana ist noch da.

Beide sind überzeugt: Dieser “einsame” Ramadan kann auch eine besondere Chance sein.

“Man kann noch intensiver bei sich sein, zu sich selbst und zu Gott finden.

Auf jeden Fall werden wir uns an das Versammlungsverbot halten.

Denn wir sind Teil dieser Gesellschaft”, meint die 27-Jährige.

Schließlich seien die Kontaktverbote ja zum Schutz aller Menschen da.

Der Verein Civitas e.

V.

, der hinter der Gemeinde unabhängiger Muslime steht, versteht sich als “Junger, unabhängiger, deutschsprachiger Verein mitten im Herzen Münchens”.

Einsamer Ramadan

Einsamkeit als Chance

Krisenmanager Imam: Familien-Konflikte nehmen zu

Wie sollen Jugendliche die angespannte Situation aushalten?

Normalerweise treffen sich in der Münchner Gemeinde immer um die 200 Gläubige zum Freitagsgebet und zum anschließenden Essen.

Doch zu Beginn des Fastenmonats am 23.

April 2020 ist der 29-Jährige ganz alleine in seiner Moschee.

Versammlungen sind verboten.

Ahmad Popal ist Imam in München.

Der 29-Jährige bekommt täglich Anrufe von seinen Gemeindemitgliedern.

Wie erträgt man die Einsamkeit? Was tun bei Ehestreitigkeiten? Und wie sollen Jugendliche die Anspannung der Älteren aushalten?

Das Allerwichtigste aber ist für den Imam das persönliche Gespräch, entweder per Telefon oder auch bei einem Spaziergang mit Abstand.

“Mich rufen die Leute in Zeiten von Corona an, weil sie alleine sind mit ihren Problemen, diese Kontaktsperre macht den Menschen schwer zu schaffen”, beobachtet Imam Ahmad Popal.

Die Themen seien immer dieselben: Spirituelle Fragen, Ehe-Krisen, Erziehungsfragen.

Doch ein Problem habe deutlich zugenommen: Der Generations-Konflikt.

In der Not haben sie neue Ideen entwickelt: “Iftar to go”.

Sie wollen die Älteren und Schwächeren ihrer Gemeinde trotzdem gut versorgen.

Deswegen wollen sie jeden Abend in ihrer Moschee Essen zum Mitnehmen vorbereiten – noch wartet Imam Ahmad Popal auf die Genehmigung der Staatsregierung.

“Keiner darf einen anderen Menschen schlagen, der Islam verbietet Gewalt”, betont Ahmad Popal.

Aus Erfahrung weiß er: Religion wird oft nur dazu benutzt, um extreme Meinungen zu rechtfertigen.

Vielmehr setzt der Imam bei Konflikten auf das persönliche Gespräch.

Weil jetzt keine Hausbesuche erlaubt sind, trifft er sich manchmal zum Spaziergang – mit Abstand.

In der Regel begleitet ihn eine Frau aus der Gemeinde dabei, z.

B.

seine Schwester Tamana Popal: “Ich denke, dass dann oft ein anderes Vertrauensverhältnis geschaffen ist.

Oftmals erlebe ich, dass Frauen ihre Sorgen anders mitteilen können, wenn man von Frau zu Frau reden kann.

“Ich erlebe gerade jetzt, dass die Eltern mit der jüngeren Generation, den Jugendlichen oft aneinander geraten.

Da ist auch manchmal Gewalt im Spiel”, beobachtet der Imam.

Vor kurzem habe er einen Hilfe-Anruf eines jungen Mädchens bekommen.

“Eine deutsch-arabische Familie war davon betroffen, der Vater wollte den Sohn schlagen, dann ist die ältere Schwester dazwischen gegangen, so dass das Jugendamt involviert wurde.

Das Mädchen lebt jetzt nicht mehr daheim.

” Normalerweise haben die Jugendlichen Rückzugsmöglichkeiten, sind vormittags in der Schule.

Doch jetzt verbringen die Familien die meiste Zeit in den engen Wohnungen, vor allem in Großstädten wie München.

Dann kommt es auch mal zu Streit.

Wie in vielen Familien, die zurzeit auf engem Raum leben.

Bei Rechtsverstößen kontaktiert der Imam Ahmad Popal auch die Polizei.

Nicht nur zu Corona-Zeiten pflegt er regelmäßigen Kontakt zu den Behörden.

Polizeisprecher Damian Kania schätzt ihn: “Der Kontakt zum Imam Ahmad Popal ist ein sehr guter, er scheint liberal und westlich geprägt zu sein, die Zusammenarbeit funktioniert einwandfrei.

Der Imam: Seelsorger und Streitschlichter in Corona-Zeiten

Imam Ahmad Popal fürchtet, dass die Probleme jetzt im Ramadan noch zunehmen könnten.

Er möchte seine Gläubigen in dieser Zeit ermutigen und begleiten, per Telefon oder Videoanruf.

“Ich bin kein Zauberer, aber ich kann die Menschen, die mich anrufen, ermutigen, Lösungen zu suchen, damit wir miteinander in Frieden leben können.

Mehr zum Thema in STATIONEN, am Mittwoch, 29.

April 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und im Anschluss in der Mediathek.

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