Ein Liebesbrief an das alte “Hollywood” – Top News

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Diese Geschichte ist so nie passiert – aber sie hätte passieren können.

Und zwar ausschließlich im Jahre 1946.

Einer Art Vakuum-Jahr zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn des Kalten Krieges.

Der US-Senator Joseph McCarthy schürte nach dem Zweiten Weltkrieg die Angst vor den Kommunisten und sorgte mit einer Hexenjagd auf Homosexuelle dafür, dass Tausende durch willkürliche Denunziation ihre Arbeit und Familien verloren.

Darunter auch viele Kreative in Hollywood.

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In dieser Zeit vergnügte man sich hier hinter verschlossenen Türen tatsächlich mit der Hilfe von Zuhälter Scotty Bowers und dessen All-Inklusive-Tankstellen-Service.

Avis Amberg und ihre Mitstreiter*innen sind Außenseiter, die sich trotz ihrer vermeintlichen Unterschiede gegenseitig stützen, schützen und zusammenhalten, um etwas Großartiges zu schaffen.

Sie alle dürfen in “Hollywood” ihre Träume ausleben.

Allein diese Figuren-Konstellation ist eine echte Ansage, denn durch sie entwickeln sich bewegende Szenen, die wir viel zu selten auf dem Bildschirm sehen: die ältere Frau, die begehrt werden will und mit dem jungen Callboy schläft; das schwule Paar, das seine Liebe nicht offen zeigen kann; aber auch der Hollywoodagent, der junge Talente sexuell nötigt.

Bei allem Optimismus erzählt die Serie so viele kleine Geschichten über die großen Ungerechtigkeiten, die das System so zuverlässig produziert wie Blockbuster.

Die Serie ist ein liebender und zugleich kritischer Blick auf die Hauptstadt des Films und das oft schmutzige Geschäft, das diese Stadt am Leben hält.

“Hollywood” hofft zwar auf eine bessere und gerechtere Zukunft aber sie endet bittersüß.

Ganz so einfach ist es dann doch nicht, das System von heute auf morgen umzukrempeln, wenn das Fundament das gleiche bleibt.

Und so ist es ausgerechnet der umstrittene Starmacher Henry Willson (Jim Parsons), der in der letzten Folge die Liebesgeschichte zweier junger, schwuler Männer auf die Leinwand bringt.

In Wahrheit ist Henry Willson verarmt und vergessen gestorben.

Dass er jahrelang seine Macht missbrauchte, um hoffnungsvolle junge Schauspieler zu sexuellen Gefälligkeiten zu erpressen, ist ein Verbrechen.

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Was wäre, wenn Frauen, Afroamerikaner*innen und schwule Männer Hollywood in seiner Glanzzeit komplett auf den Kopf gestellt hätten? Das zeigt die alternativgeschichtliche Netflix-Serie von Ryan Murphy und wirft dabei einen Blick hinter die Kulissen.

Oh, Hollywood! Wer es hier schaffen will, kann seine verklemmten Moralvorstellungen an der Garderobe abgeben.

Spätestens wenn das Geld ausgeht.

So wie Jack Costello (David Corenswet), der Schauspieler werden will.

Als Tankwart getarnt kommt der Callboy der Hollywoodelite näher, als er es sich erträumt hatte.

Denn eine seiner Kundinnen ist Avis Amberg (Patti LuPone), die Ehefrau eines der mächtigsten Studiobosse.

Es ist das Jahr 1946 und als ihr Mann plötzlich ins Koma fällt, ist das der Anfang einer kleinen Revolution in Hollywood: Avis nutzt ihre neue Machtposition aus, verbündet sich mit den anderen Frauen im Studio und lässt die Hauptrolle in der neuesten Produktion an die junge Afroamerikanerin Camille (Laura Harrier) gehen.

Auch Archie (Jeremy Pope), der Drehbuchautor, ist schwarz, der Regisseur Raymond (Darren Criss) philippinisch-stämmig – und Rock Hudson, einer der aufstrebenden Stars, ist schwul.

Nach den alten Hollywood-Regeln ist dieser Film ein vorprogrammierter Flop.

Aber Avis Amberg geht das Risiko trotzdem ein.

Gegen alle Widerstände.

Die Serie “Hollywood” vermischt Fakten und Wunschvorstellung in einem berauschend-schönen Ausflug in die Glanzzeit der Filmhauptstadt.

Wir begegnen Filmstar Vivien Leigh bei einer der legendär-exzessiven Pool-Parties von Regisseur George Cukor und sind dabei, als der Agent Henry Willson (Jim Parsons) den späteren Filmstar Rock Hudson unter Vertrag nimmt.

Die großen Stars der Epoche stehen aber nicht im Rampenlicht der Serie.

Sondern die, die als Randnotizen der Filmgeschichte in Vergessenheit geraten sind, weil ihnen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Sexualität oder ihres Alters die große Karriere verwehrt blieb.

Die Schöpfer*innen dieser Serie, Ryan Murphy, Ian Brennan und Janet Mock, glauben daran, was ihre Serien-Charaktere immer wieder predigen: Hollywood hat Macht und trägt eine Verantwortung für die Gesellschaft.

“Filme können die Welt verändern”, sagt Regisseur Ray in einer Szene.

Das kann man naiv und gefühlsduselig finden.

Aber es steckt auch viel Wahrheit darin.

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“Hollywood” ist seit dem 01.

Mai bei Netflix abrufbar.

Eine deutsche Synchronisation folgt Corona bedingt in Kürze.

Eine schöne Fantasie

Die Macht der Filme

#MeToo als Systemfehler

Aber als schwuler Mann steht Willson in der Serie auf der richtigen Seite und erhält eine zweite Chance, während seine früheren Opfer weiter von ihm abhängig sind.

Das ist so realistisch wie ernüchternd und verdeutlicht, dass die Machtstrukturen des alten Hollywoods auch heute noch intakt sind.

Was wäre, wenn Frauen, Afroamerikaner*innen und schwule Männer Hollywood in seiner Glanzzeit komplett auf den Kopf gestellt hätten? Das zeigt die alternativgeschichtliche Netflix-Serie von Ryan Murphy und wirft dabei einen Blick hinter die Kulissen.

Ein Liebesbrief an das alte “Hollywood”

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