Einsam sterben: Haben die Kirchen in der Coronakrise versagt? – Top News

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Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer sowie katholische Bistümer weisen die Kritik zurück.

Seelsorge und Begleitung habe es auch unter den Bedingungen der Corona-Pandemie gegeben.

Das Bistum Erfurt erklärte, auch seine Kirchen seien weiterhin “zu Einkehr und Gebet geöffnet” gewesen.

In der Krise sei es aber “unverzichtbar abzuwägen, was wir als Mitmenschen für den Schutz vor dem Virus tun müssen und wie wir als Kirche unseren Aufgaben in Seelsorge, Liturgie und Caritas gerecht werden”.

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Die CDU-Politikerin Christine Lieberknecht hat das Verhalten der Kirchen in Corona-Zeiten kritisiert.

Sie hätten “hunderttausende Menschen allein gelassen”.

Die Kritik sei unfair, sagen Kirchenobere.

War die Kirche zu sehr auf Gottesdienste fixiert?

Corona-Solidarität – das hieß im Kirchensprech: “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

” Konkret bedeutete das: Noch bevor es verordnet wurde, wurden Gotteshäuser geschlossen.

Vor einigen Tagen hat die CDU-Politikerin Christine Lieberknecht das Verhalten der Kirchen in der Corona-Krise in einem Zeitungsinterview (“Die Welt”) harsch kritisiert.

Knapp 8.

000 Menschen seien in Deutschland an COVID-19 gestorben, aber seit März auch 150.

000 Menschen aus anderen Gründen.

“Wo war da das Wort der Kirchen?”, so Lieberknecht.

Und ja – zumindest im öffentlich gab es keinen Protest der Kirchenoberen zu den Hygienevorschriften, auch wenn Krankenhausseelsorger manchmal nicht mehr ans Krankenbett durften, oder wenn vielleicht Angehörige auf kirchliche Unterstützung gewartet hätten, um Schwerstkranke oder Sterbende besuchen zu dürfen.

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Harald Richter meint, jetzt, in einer zweiten Phase der Pandemie, müssten die Kirchen sich jetzt konkreter äußern, was verantwortbar und sinnvoll sei.

“Es gibt viele andere auch, die unter der Situation zu leiden haben, eben nicht nur die Infizierten; ich hab mal zugespitzt gesagt: man darf auch an Corona sterben – und dann schauen, dass derjenige gut sterben kann.

Er betont, er sei weiter zu Sterbenden gerufen worden; dass er von Zimmer zu Zimmer gehe, um ins Gespräch zu kommen – das sei nicht möglich gewesen.

Harald Richter ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Krankenhausseelsorge in Bayern, bei ihm läuft vieles zusammen.

Ob die Kirche auch die Not vieler Angehöriger gesehen hat, die nicht zu Kranken und Sterbenden dürfen?

Kirchen weisen Lieberknechts Kritik zurück

“Kontakt heilt” – der aber fehlte in der Krise

Wo waren die Kirchen?

Warum halten sich die Kirchen politisch zurück?

Auch an der Basis findet man die Kritik der ehemaligen thüringischen Ministerpräsidentin zu pauschal.

Harald Richter ist Klinikseelsorger in Bad Neustadt.

In der ersten Phase hätten Entscheidungen getroffen werden müssen, ohne viele Informationen zu haben, verteidigt er die Kirche.

Die CDU-Politikerin Christine Lieberknecht hat das Verhalten der Kirchen in Corona-Zeiten kritisiert.

Sie hätten “hunderttausende Menschen allein gelassen”.

Die Kritik sei unfair, sagen Kirchenobere.

War die Kirche zu sehr auf Gottesdienste fixiert?

“Meine Sorge war immer, dass über dem Schutz sich nicht anzustecken, das verloren ging, was an Beziehung heilsam ist.

Kontakt heilt.

Und dieser Kontakt hat den Menschen gefehlt.

Und dafür sollten die Kirchen viel mehr eintreten”, sagt Claudia Weingärtler, Klinikseelsorgerin in Augsburg.

Gerade angesichts von Sparzwängen auch in der Kirche sollte man die Arbeit nicht zu sehr fixiert sein auf den Sonntagsgottesdienst.

Seelsorger müssten im Krankenhaus verankert sein und bleiben.

Noch nie in ihrem beruflichen Leben sei sie so viel zur Seelsorge an Betten gesessen.

“Ich hab mit Angehörigen telefoniert, es war eine unglaublich intensive Zeit.

Das kann jemand von außen nicht leisten.

Seelsorge zu Corona-Zeiten, das ist das eine; das andere die Frage, warum die Kirchen in der politischen Diskussion so zurückhaltend bleiben – bei der aktuellen Diskussion über Verteilungsgerechtigkeit, über Strategien fürs Wiederhochfahren der Wirtschaft.

Der katholische Publizist Thomas Seiterich fordert: “Die Kirchen müssten lauter und selbstbewusster von der Gerechtigkeitsbotschaft und auch von dem Gedanken Leben in Fülle her auftreten in diesen Wochen.

Wo war das Wort der Kirchen – die CDU Politikerin Christine Lieberknecht hat inzwischen ihre Kritik an den Kirchen differenziert, aber zugleich wiederholt: Sie stelle “die unglaublich aktiv tätigen Seelsorger, die Gemeindeglieder an der Basis” nicht in Abrede, die aber hätten sich mehr Unterstützung gewünscht.

Die ehemalige evangelische Pfarrerin Lieberknecht hatte kritisiert, die Kirchen hätten wegen der Hygienevorschriften “hunderttausende Menschen allein gelassen.

Kranke, Einsame, Alte, Sterbende”.

Der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat sich geärgert über den Vorwurf der CDU-Politikerin.

“Wir werden im Rückblick sicher – und mir ist es die ganzen Wochen so gegangen – mit uns ringen, und werden auch fragen: Sind wir Menschen was schuldig geblieben? Ja, wir sind Menschen etwas schuldig geblieben, aber hätten wir anders gehandelt, wären wir auch Menschen etwas schuldig geblieben oder hätten uns mitschuldig gemacht, weil Menschen sterben: aus dieser Dilemma-Situation kommt man nicht raus.

Was kann die Aufgabe von Kirchen in dieser Ausnahmezeit sein, wo nicht mehr versucht wird, Seuchen als vermeintliche Strafe Gottes wegzubeten? Auch darüber wird man noch länger diskutieren – nicht nur unter Seelsorgern und am Sterbebett.

Einsam sterben: Haben die Kirchen in der Coronakrise versagt?

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