EKD und Missbrauch: Streit um Entschädigung und Aufarbeitung – Top News

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Und noch etwas ist anders als in der Missbrauchsstudie, die die katholische Bischofskonferenz 2018 vorgelegt hat, sagt Nikolaus Blum, Leiter des evangelischen Landeskirchenamts in München: “Es geht darum, auch alle Berufsgruppen in der Kirche zu erfassen, also sie nicht nur auf Pfarrerinnen und Pfarrer zu beschränken, sondern Kirchenmusiker, Religionspädagogen und was es im kirchlichen Umfeld alles gibt, einzubeziehen.

” Die Studie solle nicht nur Missbrauch an Minderjährigen erforschen, sie soll auch Erwachsene, Behinderte und anderen Schutzbefohlene als Betroffene in den Blick nehmen.

Vor einigen Wochen hat die katholische Bischofskonferenz in Deutschland die finanzielle Entschädigung von Missbrauchsopfern geregelt.

Jetzt ziehen die evangelischen Landeskirchen nach – allerdings ohne Opfervertreter einzubeziehen.

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Bei der evangelischen Kirche in Deutschland haben sich bis heute 770 Betroffene von sexualisierter Gewalt gemeldet.

Es gibt niemanden in der EKD, der glaubt: Das ist die ganze Wahrheit.

Denn bislang wurde die Missbrauchsgeschichte der 20 Landeskirchen nie systematisch erforscht.

Das soll sich nun ändern, noch vor der Sommerpause will der “Beauftragtenrat” der EKD Studien in Auftrag geben.

Dabei geht es nicht so sehr um das Ausmaß, sondern um Strukturen des Missbrauchs im deutschen Protestantismus.

Umstritten bleibt das Thema Entschädigung.

Die EKD empfiehlt den Landeskirchen individuelle Leistungen, die sich an “gesetzlichen Schmerzensgeldbemessungen” orientieren.

Das können sogar fünfstellige Summen im mittleren Bereich sein.

Entscheiden darüber sollen unabhängige Kommissionen bei den Landeskirchen – besetzt mit Medizinern, Psychotherapeuten, Sachverständigen.

Doch die eigentlichen Experten fehlen in dem Gremium, findet Kerstin Claus.

Denn Betroffene finden sich nicht in den Kommissionen, so Claus: “Solange die Kirche die Macht der Überschrift hat, Dinge ‘unabhängig’ zu nennen, sich aber einer externen Überprüfung entzieht, weigere ich mich, da mitzumachen.

Für mich sind diese Kommissionen nicht unabhängig.

Wie unabhängig sind “unabhängige Kommissionen” wirklich?

Schmerzhafte Aufarbeitung

Kerstin Claus hat selbst sexuellen Missbrauch erlebt, als Jugendliche durch einen evangelischen Pfarrer in Bayern.

Sie ist Mitglied im Betroffenenbeirat der Bundesregierung und findet es gut, dass es nun Studien geben soll.

Der Kirche empfiehlt sie dabei, zwei Felder besonders in den Blick zu nehmen: “Es wird unterschätzt, wie groß sowohl in reformpädagogisch beeinflussten evangelischen Kreisen das Potenzial für sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche war, aber auch wie groß in sehr geschlossenen Strukturen, die ich jetzt eher im pietistisch, eng klerikalen Sinne sehe, das Potenzial für Machtmissbrauch und damit auch sexuelle Gewalt ist.

Vor einigen Wochen hat die katholische Bischofskonferenz in Deutschland die finanzielle Entschädigung von Missbrauchsopfern geregelt.

Jetzt ziehen die evangelischen Landeskirchen nach – allerdings ohne Opfervertreter einzubeziehen.

Bei einer unabhängigen Aufarbeitung geht es allerdings um mehr als nur um Sensibilität.

Da werden Täter und auch Verantwortliche identifiziert und benannt.

Das kann schmerzhaft werden, auch in der evangelischen Kirche.

“Wir haben vielleicht andere Abläufe als die katholische Kirche”, sagt Nikolaus Blum.

“Aber wir kommen vorwärts.

” Die Sensibilität für Missbrauchstatbestände und sexualisierte Gewalt sei in den vergangenen Jahren erheblich größer geworden, so Blum: “Nach meiner Wahrnehmung gibt es in den Institutionen niemanden mehr, der diese Fälle herunterspielt oder sagt, das sind alles nur Randerscheinungen.

Vor wenigen Wochen hat die katholische Bischofskonferenz mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung Standards einer unabhängigen Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vereinbart.

In diesem Zusammenhang erwähnte der Missbrauchsbeauftragte Johannes Wilhelm Rörig, auch die evangelische Kirche: “Was konkrete Strukturen der Aufarbeitung angeht, stehen wir noch mit leeren Händen da”, so der Vorwurf, der in der EKD für ziemliche Irritationen gesorgt hat.

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EKD und Missbrauch: Streit um Entschädigung und Aufarbeitung

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