Entnazifizierung mit eigener Geschichtsschreibung – Top News

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Von einem echten Neuanfang könne man in der evangelischen Kirche nicht sprechen, sagt der Kirchenhistoriker Karl-Heinz Fix.

Der Theologe forscht bei der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte in München.

“Anders als viele andere gesellschaftliche Organisationen lief bei der Kirche der normale Betrieb weiter.

Die Kirchen waren nicht aufgelöst, sondern existierten weiter, zum Teil mit dem gleichen Führungspersonal”, begründet Fix.

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Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer war nach Ansicht vieler Historiker eine Ausnahme innerhalb der evangelischen Kirche.

Einen echten Bruch mit dem Nationalsozialismus gab es 1945 nicht, auch weil die Kirche eigene Geschichtsschreibung betrieb.

Es ist der 8.

Mai 1945.

Der zweite Weltkrieg ist zu Ende.

“Die Naziregierung und die deutsche Wehrmacht haben bedingungslos den Alliierten Expeditionsstreitkräften kapituliert”, heißt es damals im Radio.

Ein Tag mit verschiedenen Bezeichnungen: Es ist der Tag der Niederlage.

Es ist der Tag der Befreiung.

Ist es auch der Tag des Neuanfangs? Die Stunde Null? In der evangelischen Kirche war er das nicht.

Die Kirchen, so auch die evangelische, musste auf Druck der Allierten ein Schuldbekenntnis formulieren – unfreiwillig.

Dahinter standen in der evangelischen Kirche wenige.

Das sei nicht überraschend, meint Clemens Vollnhals, vom Hannah-Arendt-Institut in Dresden.

Schließlich wurden in protestantisch geprägten Regionen vorwiegend die Nationalsozialisten gewählt.

Laut Vollnhals seien rund 20 Prozent der evangelischen Pfarrer Mitglieder der NSDAP gewesen.

Kein echter Neuanfang

20 Prozent der Pfarrer waren NSDAP-Mitglied

Bonhoeffer war eine Ausnahme

Evangelische Kirche betreibt eigene Geschichtsschreibung

Im Hinblick auf die Entnazifizierung Deutschlands durch die Alliierten taten sich die beiden Konfessionen von Anfang an zusammen.

Während der NS-Zeit hatten sie nie gemeinsam Stellung gegen das Naziregime bezogen.

Und der Zeitgeist stand nicht im Zeichen der Schuld.

Die Kirchen waren 1945 ein Spiegel der Gesellschaft.

Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer war nach Ansicht vieler Historiker eine Ausnahme innerhalb der evangelischen Kirche.

Einen echten Bruch mit dem Nationalsozialismus gab es 1945 nicht, auch weil die Kirche eigene Geschichtsschreibung betrieb.

Zahlreiche Protestanten, die während des Kirchenkampfs eine neutrale Position einnahmen sowie Anhänger der “Bekennenden Kirche”, blieben nach 1945 im Amt oder übernahmen einen neuen Posten.

Zu ihnen gehörten Berlins Bischof Otto Dibelius, Bayerns Landesbischof Hans Meiser und der Kirchenpräsident von Hessen und Nassau Martin Niemöller.

Niemöller war beispielsweise wegen seiner Kritik an der Kirchenpolitik der Nationalsozialisten mehrere Jahre in Haft im Konzentrationslager Dachau.

Der große Schnitt im Sinne einer Entnazifizierung vollzieht sich in den bestehenden und rivalisierenden Strukturen, zwischen den “Deutschen Christen”, die sich offen zum Nationalsozialismus, zur Rassenlehre und dem Führerprinzip bekannten und der “Bekennenden Kirche”.

Trotzdem gibt es keinen echten Bruch mit dem Nationalsozialismus.

Denn nicht jeder, der sich zur “Bekennenden Kirche” zählte, sei ein Widerstandskämpfer wie Dietrich Bonhoeffer gewesen.

Auch in den Jahrzehnten danach habe die evangelische Kirche die “Geschichtsschreibung durch ihre eigene Brille” gefördert, sagt der Theologe und Historiker Karl-Heinz Fix.

So sei im Jahr 1955 von der Evangelischen Landeskirche die “Kommission für Geschichte des Kirchenkampfs in der nationalsozialistischen Zeit” berufen worden.

47 Bände Forschungsarbeit erschienen zwischen 1958 und 1990 zu diesem Thema.

Entnazifizierung mit eigener Geschichtsschreibung

Historiker Fix hat die Publikationen untersucht: Die Geschichtsschreibung stammt über Jahrzehnte aus der Feder von beteiligten Männern.

“Die Kirche hat die Historiographie in der Hand.

Der Vorsitzende des Bruderrates der Württembergischen Landeskirche schreibt beispielsweise über den Kirchenkampf in der württembergischen Kirche.

Damit ist die notwendige Distanz nicht gegeben”, sagt Historiker Karl-Heinz Fix.

Dadurch werden auch die heißen Eisen erst einmal nicht angefasst: Judenverfolgung, Zwangsarbeiter in evangelischen Einrichtungen Euthanasie und Eugenik in Heimen der Diakonie.

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