Im Container: Theater Nürnberg stellt “Big Brother” im Web nach – Top News

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Am längsten im Container ausgehalten hat es vor 20 Jahren Jürgen.

Er war Sieger eines Experiments, das zum Fernsehereignis wurde: Laien im medialen Wettkampf um die beste Selbstdarstellung.

Für den Autor und Regisseur Boris Nikitin der Startpunkt eines sozialen Wandels: “Also die Dinge, die uns heute so ganz selbst verständlich zu sein scheinen, sich selbst darzustellen, das, was wir heute ja auch alle in den sozialen Medien machen, diese Dauerpräsenz des Castings, die Selbstdarstellung unter ökonomischen Voraussetzungen: All das hat da einen – das ist zumindest die These – ganz klaren Anfang.

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Vor 20 Jahren erschauderte Fernsehdeutschland.

Für eine Reality-Show wurden Menschen in einen Container gesperrt.

Nun gleichen Theater abgeschlossenen Containern.

Regisseur Boris Nikitin spielt mit beiden Erfahrungen.

Erinnern Sie sich noch? Februar 2000, “Big Brother”, das in Holland bereits ein Jahr vorher erfolgreich gewordene Fernsehformat, startet auch in Deutschland.

Zlatko, Jürgen, Sabrina und Co.

eingesperrt in eine Wohnlandschaft, rund um die Uhr von Kameras beobachtet und in den Wettbewerb geschickt.

Wer hält es am längsten aus im Container? Wen wählen Mitbewohner und Zuschauer aus dem Haus? Wer will freiwillig heim? Die Zuschauer der Tageszusammenschnitte im Fernsehen oder des Streams im Netz immer in gespannter Erwartung des nächsten Zicken-Kriegs, neuer Konkurrenzen oder des heimlichen Sex.

Doch dann kommt Corona: Das Bild vom Festsitzen im Container erhält plötzlich erschreckende Konkretheit.

Die Schauspieler*innen werden in den Proben unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen selbst zu Laien, weil konfrontiert mit einer ungekannten Realität.

Und eine Premiere mit Publikum ist völlig offen.

Eine heraus-fordernde Situation, auf die reagiert werden musste: Gerade mit Blick auf die Thematik des Projekts sei es wichtig gewesen, die konkreten Umstände einzubeziehen, so Boris Nikitin: “Da kam die Idee auf: Vielleicht könnte man immer wieder aus diesem Probenprozess berichten und den Probenprozess und das Theater selbst als einen Container verstehen.

Daraus entstand dann der Gedanke einer Webserie mit einer Referenz auf ‘Big Brother’.

“Big Brother” als Vorgeschichte von Social Media

Der BR als Bestandteil eines Theaterprojekts

Wir alle sitzen inzwischen im Container, sagt Boris Nikitin.

Beobachtet und beobachtend, um authentische Inszenierung konkurrierend, von inszenierter Authentizität profitierend.

Dabei aber längst nicht mehr provozierend.

Und es ist diese Entwicklung vom belächelten Kuriosum “Big Brother” hin zum allgegenwärtigen Markt des Sehens und Gesehenwerdens, die er in seinem Theaterprojekt “Erste Staffel.

20 Jahre Großer Bruder” untersuchen wollte.

Ein Reenactment der ersten Staffel, eine Wiederaufführung von “Big Brother”.

Mit fertigem Text, Bühnenbild und Schauspieler*Innen, die Laien spielen sollten, die sich selbst spielen.

Vor 20 Jahren erschauderte Fernsehdeutschland.

Für eine Reality-Show wurden Menschen in einen Container gesperrt.

Nun gleichen Theater abgeschlossenen Containern.

Regisseur Boris Nikitin spielt mit beiden Erfahrungen.

Eine Webserie über ein Theaterprojekt, das eine Privat-TV-Serie wiederaufführen will, publiziert auf der Online-Bühne des öffentlich-rechtlichen BR: Es lässt einen fast schwindeln, dieses mediale Palimpsest, das Nikitin erschafft.

Ein Spiel mit Überschreibungen, Wiederholungen, Aneignungen, das dem Verhältnis von Medialität und Theater ziemlich reflektiert und raffiniert neue Facetten abgewinnt.

Und das – so bleibt zu hoffen – seine Premiere dann doch wieder auf der echten Bühne feiern soll.

Stream inbegriffen, versteht sich.

Am 29.

April um 17.

00 Uhr geht es los.

Auf der Website des Staatstheaters Nürnberg und auf der BR KulturBühne, das ist wichtig: “Das authentifiziert quasi das Material”, sagt Boris Nikitin: “Das Material bekommt dadurch noch einmal einen sehr festen Rahmen.

Und so wird alles, was darin stattfindet, quasi beglaubigt durch die Institution.

Eigentlich ist es erst der BR, der das, was wir jetzt machen, zu einer Reality Geschichte erweitert.

” Und: Der BR sei ein ganz essenzieller nicht-fiktionaler Bestandteil dieser Serie als Rahmung.

Julia Bartolome spricht mit Mundschutz in die Kamera: über das Warten auf Probenbeginn zu Hause, die Arbeit mit Gesichtsmaske und auf Abstand, die Ratlosigkeit über das Projekt.

Ihre noch zögerlichen Statements wechseln mit denen ihrer Kolleg*innen.

Dazwischen Texttafeln, Musik, Bilder vom Kontrollpult und Bühnenbild: Rough und spröde ist die Ästhetik von “Erste Staffel”, so der Titel der Webserie, die Nikitin und sein Team jetzt also produzieren.

Probeneindrücke und Statements werden sich abwechseln, Zweifel über die Arbeit in der aktuellen Situation bewusst integriert, Regieanweisungen lassen das Authentische schillern.

Immer mittwochs und samstags wird eine neue Folge online gestellt.

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Die Webserie “Erste Staffel” ist ab 29.

April 2020 immer mittwochs und samstags auf der BR KulturBühne zu sehen.

Der Termin für eine mögliche Premiere am Staatstheater Nürnberg steht noch nicht fest.

Im Container: Theater Nürnberg stellt “Big Brother” im Web nach

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