JJ Amaworo Wilson schreibt über eine Zuflucht der Verdammten – Top News

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Es habe ausgesehen wie ein Slum, eine Favela, erzählt der Autor, nur eben 60 Stockwerke hoch: “Ich umrundete den Turm und fand heraus, dass hunderte von Obdachlosen eingezogen waren und ihre eigene Gemeinde gegründet hatten: Es gab Schulen, Kirchen und kleine Lebensmittelgeschäfte, und das war so erfolgreich, dass selbst Leute der Mittelschicht einziehen wollten, Krankenschwestern und Lehrer, die merkten, der Turm war sicherer als der Rest von Caracas.

JJ Amaworo Wilson: in Deutschland geboren, mit einem englischen Vater, einer nigerianischen Mutter und polyglotter Biografie.

Wer wie er in den USA lebt, mit dunkler Haut, wundert sich nicht über den alltäglichen Rassismus und rassistische Gewalt, sagt der Autor: “Wenn Sie einen Schwarzen fragen, ob er überrascht ist, daß ein Schwarzer von einem Polizisten getötet wird, sagt er nein.

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Das geht schon seit 400 Jahren so.

” Seine Hauptsorge mit Blick auf soziale Gerechtigkeit sei der Rassismus, und der betreffe ihn sehr direkt: “Als junger Mann kam ich manchmal in einen Laden, stand in der Schlange, und dann wurde der Weiße hinter mir zuerst bedient.

Ich brauchte nicht lang, um zu verstehen warum, wegen meiner Hautfarbe.

In Sitzungen wurde meine Meinung mißachtet, obwohl ich der Qualifizierteste war.

Und da fragt man sich warum.

In Wilsons Utopia sind alle “Damnificados” gleich: die Hure und der Bäcker, Emil, der ewige Wanderer, und Nacho Morales, der Krüppel aus ärmsten Verhältnissen, der zum Anführer wird und zum Geschichtenerzähler.

Eine Christusgestalt mit dem Traum vom friedlichen Zusammenleben.

Ein Gegenbild zu Wilsons Umgebung New Mexico, einem der ärmsten Staaten der USA: “Ich sehe viele Leute in meinem Umfeld kämpfen.

Ich denke, deshalb haben wir den Präsidenten, den wir haben.

Die Armen kämpfen, sie fühlen sich abgehängt, entrechtet, und deshalb wählten viele eine Person, die ich als Monster sehe.

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen.

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Der legendäre “Torre de David” in Caracas war ein von Armen besetztes Hochhaus.

In der Realität wurde er 2014 geräumt.

In “Damnificados”, dem Roman von JJ Amaworo Wilson, wird er zum Schauplatz einer utopischen Fabel basisdemokratischer Kooperation.

Eine Wolkenkratzerruine in einer Megalopolis der Welt.

Unfertig und zehn Jahre verlassen, weil der Bauherr pleiteging.

Revolución ist darauf gesprayt.

Und im Inneren pulsiert Leben.

Obdachlose haben die 60 Stockwerke besetzt und im Rohbau Zuflucht gefunden.

Eine wahre Geschichte.

Auf Reisen, bei einem Nachtspaziergang, sah JJ Amaworo Wilson in Caracas den legendären, 192 Meter hohen “Torre de David” des Multimillionärs David Brillembourg.

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen.

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JJ Amaworo Wilson erzählt von einem Wunder der Selbsthilfe, von “Damnificados”, die aus dem Turm eine Arche machen, ein “Babel in Black”, in dem alle Sprachen der Welt gesprochen werden, von Kishuaeli bis Gujarati.

Märchenhaft ist das erzählt, mythenreich, magisch und fabelhaft im doppelten Sinn.

Biblische Motive sind darin verwoben, wie JJ Amaworo Wilson sie als Kind hörte.

Heute lebt er unweit der mexikanischen Grenze und hilft Flüchtlingen bei ihrer Ankunft.

Er sehe verzweifelte Familien, die vor Drogen-Kartellen oder vor der Armut geflohen seien, so Wilson: “Für mich ist es vollkommen unmenschlich, dass, welches leistungsfähige Land auch immer, sie nicht aufnimmt.

Wie kann man da nein sagen!? Zu verzweifelten Menschen, die bereit sind, hart zu arbeiten, guten Leuten.

“Damnificados” von JJ Amaworo Wilson ist in der Übersetzung von Conny Lösch in der Edition Nautilus erschienen.

Die “Damnificados” überwinden die Flut, den Immobilienhai, Drogen-Kartelle, Müllkriege und Krokodile, bis der Turm in sich zusammenfällt.

“Damnificados” ist eine schöne Utopie, ein poetischer Schelmenroman mit überraschenden Wendungen in politischer Kulisse, eine Vision, wie es sein könnte.

JJ Amaworo Wilson selbst hat die Erfahrung gemacht, dass bestimmte Romane seine Sicht der Dinge verändert haben.

Seine Aufgabe sei es, eine gute Geschichte zu erzählen, sagt er: “Und vielleicht greift der Leser die Themen auf und sie wirken in ihm fort.

Und vielleicht bleiben sie ihm oder ihr ein Leben lang, vielleicht erforschen sie mehr darüber – und verstehen etwas mehr.

Eine Favela auf 60 Stockwerken

Die Vielstimmigkeit der Welt

Der ganz alltägliche Rassismus

Utopie der Literatur

Im wahren Leben räumte Venezuelas Armee den Turm, im Roman finden Tausende ein Zuhause.

“Nicht-Menschen”, “Damnificados”, Beschädigte, angeführt von einem Krüppel, vertreiben Ratten und Wölfe und richten sich ein auf den Müllbergen, wie es sie weltweit gibt zwischen Sao Paolo und Manila, eine “moschusartige Anthologie aus altem Essen, Schweiß, Pisse und Abfall”.

Die Armen leben auf und vom Müll der Reichen, organisieren eine Schule, Ärzte und demokratische Strukturen.

Ein funktionierender Mikrokosmos der Gleichen, sagt JJ Amaworo Wilson: “Es ist eine Frage, ob die Menschen bereit sind zu teilen, auch eine Frage der Werte.

Sagen wir, ich bin Bäcker, und Sie sind Jäger.

Statt einander mit Geld zu bezahlen, könnte ich Ihnen Brot und Sie mir Fleisch geben.

Mit dem Schreiben frage ich, wie könnte Gleichheit funktionieren? Und im Roman funktioniert es im kleinen Maßstab.

Der legendäre “Torre de David” in Caracas war ein von Armen besetztes Hochhaus.

In der Realität wurde er 2014 geräumt.

In “Damnificados”, dem Roman von JJ Amaworo Wilson, wird er zum Schauplatz einer utopischen Fabel basisdemokratischer Kooperation.

JJ Amaworo Wilson schreibt über eine Zuflucht der Verdammten

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