Kanonier der Fake-News: Münchhausen wird 300 – Top News

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Wenn nicht alles täuscht, ist die komplette Fantasie also inzwischen aus den Köpfen heraus und in die Welt hinein gesickert.

Da, wo Münchhausen in seiner Erinnerung noch jede Menge unwahrscheinliche Anekdoten und aberwitzige Erlebnisse vorfand, klaffen in unserer Zeit nur noch Hohlräume, in denen sich der Wahnsinn ablagert: Sie wissen ja, von unten nach oben wachsen die Verschwörungstheorien, von oben nach unten die Fake-News, aber beide brauchen Millionen von Klicks, bis sie auch nur auf einen Zentimeter Wahrheit kommen, Stalagmiten und Stalagtiten in den Grotten der Verblödung sozusagen.

Münchhausen ruinierte sich finanziell und emotional übrigens mit einer fünfzig Jahre jüngeren Frau, was beweist, dass er bis ins hohe Alter nicht nur ausreichend Fantasie hatte, sondern auch gegen die Zugluft der Wirklichkeit nicht sonderlich empfindlich war – eine Stärke, die er bekanntlich mit Goethe teilte, wenngleich der Dichter seine ein halbes Jahrhundert jüngere Muse freilich nicht heiratete.

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Das Münchhausen-Museum in Bodenwerder im Weserbergland eröffnet wieder am 12.

Mai mit der Sonderausstellung “Phantasie lügt nie”.

Das Bundesfinanzministerium gab zum Jubiläum am 7.

Mai eine Münchhausen-Silbermünze heraus, die Post hält eine Münchhausen-Briefmarke, Wert 80 Cent, bereit.

Und was schenkt man Münchhausen zum 300.

Geburtstag? Na klar: Glauben! Sie können ihn ruhig in Staunen verpacken und eine Schleife Verblüffung drum binden.

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Dem Mann war sein Erfolg peinlich, allein das macht ihn schon sympathisch.

Zum Jubiläum wird Münchhausen mit Briefmarke, Ausstellung und Silbermünze geehrt.

Fake-News verstand er noch als Dessert nach dem Essen, nicht als Wahnsinn mit Methode.

Seit die Köpfe undicht wurden, tropft ja ziemlich viel Fantasie über die Welt, was an ihr natürlich nicht spurlos vorbeigeht.

Jedenfalls wird sie von Jahr zu Jahr fabelhafter und nicht wenige glauben überhaupt nur noch an abenteuerliche Neuigkeiten.

Dass der amerikanische Präsident empfiehlt, Desinfektionsmittel zu trinken, der russische Präsident mit sibirischen Kranichen durch die Luft flog und der türkische Präsident behauptet, Muslime hätten Amerika entdeckt, hätte ein vernünftiger Mann und begnadeter Plauderer wie Baron Münchhausen (1720 – 1797) allenfalls nach dem Abendessen zum Besten gegeben, inzwischen wird sowas bekanntlich auch tagsüber gesendet, und zwar bei jeder Beleuchtung.

Der echte “Lügenbaron” Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, dieser Kanonier der selbst erdachten Fake-News, war von seinem zweifelhaften Ehrentitel trotz des weltweiten Erfolgs übrigens wenig begeistert, denn er fühlte sich um das einzige Vorrecht betrogen, dass dem Adel nach der Französischen Revolution geblieben war: Sich selbst lächerlich zu machen.

Stattdessen schrieben andere seine Geschichten auf, darunter Rudolf Erich Rapse und Gottfried August Bürger, und manche verdienten damit sogar so viel Geld, dass sie ein neues Leben beginnen konnten, vermutlich ein vernünftiges.

Ein so begabter Traumreisender wie Münchhausen hätte aber auch sicher nichts dagegen gehabt, mit seinen nicht gerade faktenorientierten Zeitgenossen Giacomo Casanova und Alessandro Cagliostro zu skypen.

Diese Männer ließen sich im Homeoffice ja nicht nur das Frühstück ans Bett servieren, sondern gleich den ganzen restlichen Tag.

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Stalagtiten der Verblödung

Unempfindlich gegen Zugluft der Wirklichkeit

Eigentlich könnten sie ja jetzt, wo der Flugverkehr praktisch völlig zum Erliegen gekommen ist, wieder das Reisen auf Kanonenkugeln erlauben, sogar mit Umsteigeverbindungen in der Luft, der internationale Geschäftsverkehr würde ja nicht beeinträchtigt.

Dem Mann war sein Erfolg peinlich, allein das macht ihn schon sympathisch.

Zum Jubiläum wird Münchhausen mit Briefmarke, Ausstellung und Silbermünze geehrt.

Fake-News verstand er noch als Dessert nach dem Essen, nicht als Wahnsinn mit Methode.

Kanonier der Fake-News: Münchhausen wird 300

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