Lenin wird 150: So feiert Russland den Revolutionsführer – Top News

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Wie aber steht es heute im die lenin’sche Allpräsenz? Erst unlängst entbrannte im russischen Parlament eine hitzige Diskussion darüber, ob nun an dem Körper, der im Mausoleum im gläsernen Sarg liegt, noch 10 oder 23 Prozent Biomasse von Lenin sind.

Selbst in der Partei “Einiges Russland” gingen die Meinungen dazu ausnahmsweise mal auseinander.

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Dank dieser massiv weltlichen Begleitung kommen alle Körper Lenins endlich im Leben an und somit in der Vergänglichkeit, also in der ewigen Ruhe.

Vielleicht ist damit der Weg frei für Lenins eine oder andere Idee.

Nur unbedingt ohne Gewaltexzess: Love is the answer – zum 150.

Geburtstag.

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Unbequeme Legende: Noch zu seinem 100.

Geburtstag wurde Lenin im damaligen Sowjetrussland pompös gefeiert.

Jetzt fällt der Jubel verhaltener aus.

Nicht nur wegen Corona.

Beliebter als Lenin ist in Russland heute ein anderer Ex-Machthaber.

Nach dem Tod begann das ewige Leben.

Das war bei Lenin nicht anders als bei Gottes Sohn.

Nach 1924 konnten Sowjetbürger in jeder Lebenslage Lenin um Beistand anrufen: “Lenin ist immer lebendig, Lenin ist immer bei Dir, bei Kummer, Hoffnung und Glück.

Lenin in Deinem Frühling, Lenin in jedem glücklichen Tag, Lenin lebt in Dir und mir” – heißt es in einem damals populären russischen Schlager.

Der Konzeptkünstler Pavel Pepperstein formte 2017 eine neue, perfekte Lenin-Leiche aus Wachs an.

Eine originalgetreue Kopie des Körpers, der im Mausoleum liegt.

Freundlicherweise bettete er neben den Revolutionsführer im schwarzen Anzug eine junge, unbekleidete Blondine in den roten Samt des gläsernen Schneewittchensargs.

Mehr zum Umgang des heutigen Russlands mit dem Erbe Lenins bietet das radioFeature auf Bayern 2.

Tatsächlich elektrifiziert die Russen heute aber viel mehr Stalin als Lenin.

Der Volksstalinismus ist im Aufwind, ungeachtet des stalin’schen Terrors, dem Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind.

Lenin gilt dagegen als unbequemer.

Der Historiker Nikita Sokolow erklärt, warum sich Russlands Regierende sogar Sorgen machen um Lenins “Botenstoffe” und daher auch den Körper im Mausoleum, immerhin auch im Zentrum der heutigen Macht, tunlichst nicht anrühren.

Der Geist lebt

Unbequeme Legende

Lieber der Diktator als der Revolutionär

Russland heute: Ideologisches Mashup

Neben dem Körper im schwarzen Anzug geistern aber auch noch der politische und der mythisch-spirituelle Körper Lenins durchs Leben.

Lenin ist sowohl Erleuchter als auch Erleuchteter.

Im Zuge seiner Losung “Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung” – wurden Millionen Menschen an das Stromnetz angeschlossen und in einem zweiten Schritt alphabetisiert, damit sie abends unter der Glühbirne die 40 Bände Lenin lesen konnten.

Die Glühbirne hieß übrigens “Lampa Iljitscha” – Iljitschs Lampe.

Nach Lenins Vornamen.

Unbequeme Legende: Noch zu seinem 100.

Geburtstag wurde Lenin im damaligen Sowjetrussland pompös gefeiert.

Jetzt fällt der Jubel verhaltener aus.

Nicht nur wegen Corona.

Beliebter als Lenin ist in Russland heute ein anderer Ex-Machthaber.

Mit Stalin indes verbinden sich nach neuester russischer Geschichtsschreibung der starke Staat, wirtschaftlicher Fortschritt und vor allem der Sieg im Zweiten Weltkrieg.

Der 9.

Mai ist der Glutkern des heutigen Russlands.

Er stiftet Zusammengehörigkeit und nationale Einheit.

Die Historikerin Natalja Samower beschreibt eine Politik des Balanceakts zwischen Stalins Verurteilung und Verherrlichung.

Ein Sowohl-als-auch.

Möglich ist das, weil die Verbrechen der Stalinzeit als Tragödie aufgefasst werden, die gleich einer Naturkatastrophe über das Volk hereingebrochen ist.

Von Tätern will offiziell niemand etwas wissen.

Es seien vor allem Lenins politische Ziele, die den derzeitigen Machthabern nicht in den Kram passten, so der Historiker.

“Soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung der Nationen, Gleichberechtigung der Frauen – das alles sind Forderungen Lenins, an die man sich jetzt ausgesprochen ungern erinnert.

Russland ist ein Land mit enormer Ungleichheit.

Von sozialer Gerechtigkeit kann überhaupt keine Rede sein.

Selbst die freie medizinische Versorgung wurde so gut wie abgeschafft.

Vor diesem Hintergrund sind Lenins Kernforderungen sehr unbequem.

Außerdem ist für die Machthabenden jede Revolution ein Graus, ein Schrecken.

Allein das Wort bringt sie aus dem Gleichgewicht.

Volksstalinismus, orthodoxes Gottvertrauen, die Leiche Lenins, Großrussentum, die Liebe zur Zarenfamilie, eurasische Ideologie, altrussische Mystik oder Alexander Dugins sogenannte “Vierte politische Theorie”, die aus der Mottenkiste der Ideologeme des 20.

Jahrhunderts biologistische und nationalistische Ansätze zieht – all das flutet in der Gesellschaftspolitik heute fröhlich zusammen.

Klares Unterscheidungsvermögen kommt indes aus der Kunst.

Zwar habe Putin 2017 ein Denkmal für die Opfer politischer Repression errichtet, so Samower: “Gleichzeitig bedient er sich aber der Sprache des Volksstalinismus.

Die Idee, den Sieg im zweiten Weltkrieg zum Kern des nationalen Bewusstseins zu erklären, zum Zentrum einer starken Macht, wie sie Stalin verkörpert hat, zeugt von dem Wunsch nach einer einigenden Kraft.

Putin möchte, dass das Volk ihn liebt und vertraut.

Das Volk vertraut der Macht aber nicht und fordert Stalin.

Deshalb gibt sich Putin ein wenig so wie Stalin.

Lenin wird 150: So feiert Russland den Revolutionsführer

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