Rücksichtslos diszipliniert: Ballettausbildung unter Beschuss – Top News

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Die Crux dabei: Ballett fällt unter die Gattung “Kunst”.

Und wenn wir in eine Ballettvorstellung gehen, dann lassen wir uns bezirzen von diesem künstlerischen Moment, von der betörenden Zerbrechlichkeit der Tänzerinnen, der Schwerelosigkeit ihrer Sprünge, dem Magischen der Pirouetten im Rhythmus der Musik.

Wir sitzen im Samtsessel und genießen.

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“Kultur der Angst” – Die Ballettakademie in Berlin steht seit Monaten in der Kritik: Der hohe Druck bedrohe die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen.

Nun ist Aufklärung nötig.

Grund zu generalisieren gibt es jedoch nicht.

Wer Ballerina wird, muss eine Affinität zur Monotonie haben.

Denn klassisches Balletttraining besteht vor allem in der Wiederholung der immer gleichen Bewegungen.

Wer Ballerina wird, ist bereit, nahezu jede Faser des Körpers bis an die Grenzen der Belastbarkeit zu trainieren, hat Masochismus und Disziplin im Blut.

Die Konkurrenz ist groß, die Uhr tickt, die aktive Laufbahn dauert nur etwa 20 Jahre.

Der eigene Körper ist das Instrument.

Und so erinnert Ballett in vielem an Hochleistungssport.

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Es ist klar, dass der Weg einer jungen Ballett-Zinnsoldatin bis zur Bühnen-Künstlerin nicht über Federn führt, sondern gespickt ist mit Hürden und Wassergräben.

So wird in der Schar der Jungschwäne aussortiert: die molligen, die unmusikalischen, die abgemagerten, die nervösen.

So funktioniert Ballettdarwinismus spätestens seit Agrippina Waganowa, sie gilt schon über 100 Jahre als Guru der klassischen Tanzpädagogik.

An den hohen Anforderungen einer Ballettakademie kann man nicht rütteln, es sei denn, man schafft den klassisch-akademischen Tanz als Kunstform ab.

Was also bringt die Schlagzeile “Kultur der Angst statt Tanzfreude“?

Tanz als Extremsport

Ballettdarwinismus – eine Kunstform, die Härte verlangt?

Ermutigung statt Erniedrigung

Und jetzt, seit Anfang des Jahres hört man es plötzlich unken: Beim Ballett geht es pädagogisch nicht immer wertvoll zu.

Unter Beschuss ist die Schule des Berliner Staatsballetts.

Eine Expertenkommission ermittelt, führt Interviews mit Schülern, Eltern, Pädagogen.

Die seit Februar beurlaubte Schulleitung aus Schulleiter und künstlerischem Leiter hingegen wurden von der Kommission unverständlicherweise immer noch nicht befragt.

Fazit der bislang noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen: Beim Ballett herrsche eine “Kultur der Angst”.

Klingt brutal.

Herrschen beim Ballett etwa Zustände wie in der Nachwuchsförderung beim Skispringen, Fechten, Fußball oder Kunstturnen?

“Kultur der Angst” – Die Ballettakademie in Berlin steht seit Monaten in der Kritik: Der hohe Druck bedrohe die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen.

Nun ist Aufklärung nötig.

Grund zu generalisieren gibt es jedoch nicht.

Auf alle Fälle sollte man die Kirche im Dorf, sprich, in Berlin lassen und damit nicht generell über die Ballettausbildung richten.

In Berlin jedoch wird es allerhöchste Zeit, die Leitlinien für Pädagogen zu überarbeiten, sich vom herrisch-sadistischen Typus “Dompteur” zu trennen.

Es gibt in Deutschland genügend Beispiele von Ballettakademien, wo Ermutigung statt Erniedrigung zu künstlerischer und sportlicher Höchstleistung anspornt, beispielsweise das Ballettzentrum von John Neumeier in Hamburg.

Denn, verkommt das Ballett zu einer Tanzrevue von gedrillten und geschundenen Zirkuspudeln, hat es tatsächlich seine Existenzberechtigung als künstlerisches Ausdrucksmittel verloren.

Rücksichtslos diszipliniert: Ballettausbildung unter Beschuss

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