So arbeitet das Münchner Literaturhaus am Neustart mit Corona – Top News

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Tanja Graf: Ja, die war am zehnten März mit Jonathan Coe, dem britischen Autor, der ein wunderbares Buch über den Brexit geschrieben hat, den Roman “Middle England”.

An dem Abend – es war ein ausverkaufter Saal, 300 Leute waren – da wusste ich eigentlich schon, dass das vorläufig die letzte Veranstaltung sein würde.

Knut Cordsen: Erinnern Sie sich noch an die letzte Vor-Corona-Veranstaltung in Ihrem Haus?

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Langsam läuft es wieder an, das kulturelle Leben.

Nach Monaten mit abgesagten Veranstaltungen macht das Münchner Literaturhaus vorsichtige Schritte in Richtung Reanimation.

Doch die Lage ist alles andere als einfach – und planbar schon gar nicht.

Von einem “vorsichtigen Wiederanfang” des kulturellen Lebens in Zeiten der Corona-Pandemie sprach Bundespräsident Frank Walter Steinmeier am vergangenen Freitag bei einer digitalen Ausstellungseröffnung im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

“Wir haben ja gerade in dieser Zeit gespürt, wie sehr Kunst und Kultur buchstäblich Lebensmittel sind, ohne die wir nicht sein wollen und nicht sein können”, sagte Steinmeier in einer Videobotschaft zur Eröffnung der Ausstellung “Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie”.

Die Sprachen der Poesie und der Prosa sind in München seit über zwanzig Jahren im Literaturhaus beheimatet, welches so wie alle anderen Kulturinstitutionen auch seine Tore schließen musste bei Ausbruch der Pandemie.

Nun arbeitet man dort an einem “Restart”, einem Neustart.

Knut Cordsen hat darüber mit der Leiterin des Münchner Literaturhauses, Tanja Graf, gesprochen.

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Aus dem Literaturhaus ist zu hören, dass Sie sogenannte “Hybrid- Veranstaltungen” konzipieren.

Was genau hat man sich darunter vorzustellen?

Ja, er wird vorsichtig sein.

Natürlich, weil wir wie alle Kulturveranstalter das Problem haben, dass wir eigentlich gar nicht planen können im Moment.

Wir bekommen großartige Veranstaltungen angeboten von den Verlagen, die natürlich mit einem fulminanten Herbstprogramm aufwarten.

Schon deshalb, weil natürlich auch im Frühjahr viele Titel zurückgestellt wurden.

Wir haben jetzt so ein bisschen das Problem, dass wir natürlich eigentlich gerne diese Termine alle fixieren würden, aber damit rechnen müssen, dass es uns ergeht wie mit unserem wunderbaren Mai- und April-Programm, nämlich, dass man alles fixiert hat und am Ende alles rückabwickeln muss, wie es so schön heißt.

Wird es denn jetzt ein vorsichtiger Wiederanfang, um Steinmeiers Worte zu nehmen, den das Literaturhaus wagt?

Langsam läuft es wieder an, das kulturelle Leben.

Nach Monaten mit abgesagten Veranstaltungen macht das Münchner Literaturhaus vorsichtige Schritte in Richtung Reanimation.

Doch die Lage ist alles andere als einfach – und planbar schon gar nicht.

Selbstverständlich überlegen wir natürlich wieder unsere klassischen “SommerLesen” zu machen.

Das ist auf jeden Fall eine gute Option.

Bloß gibt es auch da Nachteile.

Erstens: Traditionell bieten wir diese “SommerLesen” immer gratis an, weil wir das unserem Münchner Publikum einfach bieten wollen, dass man einmal im Sommer zusammenkommt und große Texte von großen Schauspielern gelesen bekommt, ohne dass man dafür bezahlen muss.

Das ist das eine Problem.

Wir müssen irgendwie zusehen, dass wir auch wieder, wie es so schön heißt, Eintritte generieren.

Das zweite Problem ist, dass man natürlich vom Wetter abhängig ist.

Wir haben es in der Vergangenheit immer so gemacht: Wenn die “SommerLese” verregnet war, sind wir spontan schnell in den Saal gegangen.

Das würde jetzt nicht mehr gehen.

Das dritte Problem: Wir haben gerade eine Baustelle auf dem rückwärtigen Salvatorplatz, weil die Parkgarage dort renoviert wird.

Aber wir haben schon überlegt: Im Grunde genommen passt es zu dem Ganzen.

Dann sitzen wir eben zwischen Containern.

Das ist auch ganz interessant.

Jetzt naht in großen Schritten der Sommer und das ist die Zeit der Freiluft- oder Open-Air-Lesungen, wie Sie sie sonst ja auch veranstalten am Münchner Literaturhaus.

Wäre das auch eine Alternative zur Bespielung der Räume, Veranstaltungen, die sonst drinnen stattfinden, nach draußen zu verlagern?

Ja, wir werden in unserem großen Saal ein professionelles Studio einrichten lassen, in Kooperation mit mehreren Veranstaltungstechnikern.

Das wird ein Studio mit einer hochprofessionellen Licht- und Tontechnik sein, mit mehreren Kameras, mit einer LED-Wand.

Der Grund: Wir müssen uns leider darauf einstellen, dass wir auf absehbare Zeit keine Veranstaltungen mehr machen können mit mehr als 50 Anwesenden im Saal.

Also nicht die 300, die wir sonst gerne bei uns haben.

Da es uns aber so wichtig ist, den Kontakt zu unserem Publikum weiter zu halten und eben auch das Live-Erlebnis anzubieten, haben wir uns überlegt, dass diese Hybrid-Form vielleicht eine ja ganz gute Zwischenlösung ist.

Man kann vor Ort dabei sein und sich gleichzeitig auch zuschalten aus dem Internet.

Die Idee ist, dass diese Hybrid-Veranstaltung nur zu dem Zeitpunkt im Netz zu sehen ist, zu dem sie auch in echt stattfindet.

Das heißt, es wird keine Konserve seien, die man noch tage- oder wochenlang herunterladen kann.

Und es wird auch etwas kosten, weil es für uns ganz wichtig ist, dass wir die Autoren und die Verlage auch weiter unterstützen.

Viele Autoren leben ja davon, Lesungen zu machen, und deswegen finde ich es auch ein bisschen problematisch, dass es so unglaublich viele großartige Kulturveranstaltungen im Moment umsonst gibt.

Die Gefahr besteht, dass das Publikum sich daran gewöhnt, dass Kultur eben nichts kostet.

Dem ist leider nicht so.

Das haben wir uns natürlich überlegt.

Wir haben ein ausgeklügeltes Hygienekonzept, wie es so schön heißt, mit dem großen Nachteil, dass nicht mehr als 15 Personen gleichzeitig sich in der Ausstellung befinden dürfen.

Wir haben natürlich Abstandsregelungen und Mund-Nase-Schutz.

Wir haben aus Gründen des Infektionsschutzes verzichtet auf alles, was interaktiv ist.

Also keine Touchscreen-Vorrichtungen.

Unsere Besucherinnen und Besucher dürfen hören, schauen, staunen, aber möglichst nichts anfassen.

Und wenn ich das noch anfügen darf: Es ist es keine Ausstellung über Thomas Mann, sondern es ist eine Ausstellung über die Demokratie am Beispiel der Biografie Thomas Manns.

Wir haben einen großen Teil in dieser Ausstellung, in dem es auch um die Gegenwart der Demokratie geht.

Das Motto der SommerLese 2020 könnte dann lauten: Das Lesen ist eine Baustelle.

Diese Woche eröffnet im Münchner Literaturhaus eine Ausstellung über Thomas Mann.

Wie wird das für die Besucher sein? Das ist kein riesiger Raum.

Da muss man sich ja eine gewisse Besucherstrom- Choreografie überlegen.

So arbeitet das Münchner Literaturhaus am Neustart mit Corona

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