“Stille tut uns gut”: So zeigt das BMW-Museum die NS-Geschichte – Top News

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Hier will ein Weltkonzern offensichtlich signalisieren, dass er nichts beschönigen, verheimlichen oder relativieren will, sondern dass es allein um die in diesem Fall recht grell ausgeleuchteten Fakten geht.

“Hier ist es so, dass wir alle Aspekte noch mal zusammenbringen und noch mal viel stärker in die Tiefe gehen als wir das bisher konnten aufgrund des begrenzten Raums”, sagt Museums-Chef Ralph Huber.

“Unsere Rolle damals in der Gesellschaft des Nationalsozialismus war als Rüstungsbetrieb natürlich eine sehr starke und sehr präsente.

Das mal umfassend darzustellen, das war uns hier ein Anliegen.

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Einige überlebensgroße Porträts von zwangsweise rekrutierten Arbeitskräften dominieren die Ausstellung, absichtlich schemenhaft abgedruckt auf Papierbahnen, wie Zeugen aus einer Vergangenheit, die in Vergessenheit zu geraten droht.

“Es sind ausgewählte 18 von 60 Porträtfotos, die sich überhaupt erhalten haben”, sagt Andreas Braun.

“Wir wollten das Thema einfach in aller Stille behandeln, und ich glaube, das Wort Stille tut uns sehr, sehr gut – nur ja nicht laut werden! Dieses Anschauen der Besucher ist entscheidend, nicht vorwurfsvoll, sondern als stille Zeugen, um sie alleine geht es.

Sie sehen ja auch, dass die Besucher in einer gewissen Sperrigkeit an diesen Foto-Bahnen vorbeigehen müssen, diese Porträts sind eigentlich die Hauptprotagonisten im Raum.

Dabei verweist Andreas Braun auf einen Barcode, über den Interessierte auf entsprechende Internetseiten kommen.

Übrigens stehen im BMW-Museum überall kundige Hostessen bereit, die über die dort zu bewundernden Autos nähere Auskunft geben.

So einen Informations-Service verspricht Museumschef Ralph Huber auch für die Abteilung, in der es um die geschundenen Arbeitskräfte in der Nazi-Zeit geht: “Die Menschen kommen hierher, gerade aus dem Ausland, und möchten schöne Autos sehen.

Viele werden davon überrascht, wie viel Historie wir hier auch darstellen.

Wir zeigen viel davon, was uns bewegt, auch von unseren Werten her.

Und gerade hier muss man die Besucher auch besonders an die Hand nehmen, weil viele Menschen gar nicht um diese Zeit und diese Epoche wissen.

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Wie in vielen anderen Großunternehmen mussten in der NS-Zeit auch bei BMW Zwangsarbeiter schuften, darunter KZ-Häftlinge aus Dachau.

In einer neuen Dauerausstellung wird betont sachlich darüber informiert – gänzlich ohne Autos und Flugzeug-Motoren.

Ein paar Bomben fallen vom Himmel, aber das scheint die drei Arbeiter, die auf dem Plakat abgebildet sind, nicht weiter zu interessieren, ganz im Gegenteil, stramm marschieren sie Richtung Werkbank: “Ist der Alarm vorbei, an die Arbeit eins, zwei drei!” Es sind so bizarre Propaganda-Botschaften aus der NS-Zeit, die die neue Dauerausstellung im Münchner BMW-Museum sehenswert machen.

Sie ist absichtlich sehr hell gestaltet, fast schon gleißend hell durch den weißen Boden und die weißen Papiere an der Wand.

Artikel eins des Grundgesetzes empfängt die Besucher an beiden Eingängen des lang gestreckten Ausstellungsraums: “Die Würde des Menschen ist unantastbar”, ein Gebot, das von 1933 bis 1945 bekanntlich mit Füßen getreten wurde.

Und BMW war für die Nazis ein Schlüsselbetrieb: “BMW war als der damals größte Flugmotorenhersteller in Deutschland natürlich im Fokus des Nazi-Regimes”, bestätigt Ralph Huber: “Wir wurden, ebenso wie viele andere Unternehmen auch, zur Produktion von Flugmotoren für die Flugzeuge, die dann später ab 1939 zum Kriegseinsatz kamen, verpflichtet und haben auch mitgemacht.

Ab 1933 hat das Regime Einfluss auf unser Unternehmen genommen, hinter den Kulissen wurde bereits an der Aufrüstung gearbeitet, aber so, dass es nicht sichtbar war, denn man hätte ja sonst gegen den Versailler Vertrag verstoßen.

Schnittige Cabrios für die Machthaber hatte BMW neben seinen Rüstungsgütern in den dreißiger Jahren des 20.

Jahrhunderts im Angebot, zwei davon stehen blank geputzt in der Ausstellungshalle, durch die Besucher hindurch müssen, bevor sie sich über die Verstrickungen in der NS-Zeit informieren können.

Dort selbst sind keine Produkte des Konzerns zu sehen, weder Autos, noch Flugzeugmotoren, wie Kurator Andreas Braun betont: “Was wir überhaupt in diesem Raum nicht unterbringen wollten, war die Ästhetik eines Produktes von BMW, dafür haben wir andere Quadratmeter hier im Haus, und auch einen anderen Kontext, wo das geschehen darf.

Hier ging es allein um Täter- und Opferperspektive.

Wir denken, dass wir uns mit Originaltexten und -tönen dem Thema, das ein höchst sensibles ist, eher nähern als durch Nachbauen.

Ich finde, das verbietet sich von selbst.

Allerdings sind Werbematerialien zu sehen, einerseits für die Triebwerke von BMW, aber auch Broschüren für ausländische Arbeiter, die ab 1933 fleißig angeworben wurden.

Zunächst ging es um Fachkräfte, die auch entsprechend gut behandelt und bezahlt wurden, ab 1941 ging es nur noch um Zwangsarbeit unter teils grausamen Bedingungen: KZ-Häftlinge mussten zehn Kilometer zu Fuß zurücklegen, wohlgemerkt, die einfache Wegstrecke nach zwölf und mehr Stunden Arbeit.

Der Rundgang nimmt nicht mehr als fünfzehn, zwanzig Minuten in Anspruch und am Ende steht der Besucher auf einem schneeweißen Parcours, der sich vom schwarzen Asphalt-Boden des übrigen Museums, wo die Autos stehen, deutlich abhebt.

Andreas Braun: “Den Schlüssel zum Verständnis dieser Ausstellung, den sehen Sie hier groß hingeschrieben, Artikel eins unserer Verfassung.

Und wir haben hier rein auf der Basis der Informationsvermittlung, nicht mehr und nicht weniger, aufgeschrieben, was das Unternehmen BMW seit der NS-Zeit getan hat.

Sie sehen hier nicht ganz große Bekenntnis-Arien oder sonstwas, ich glaube, das tut der Raum als Ganzes.

All die Besucher, die jetzt kommen, vielleicht in der zweiten und dritten Generation derer, die hier großes Leid erfahren haben: Hier kann man sich weiter informieren!”

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“Sehr starke und präsente Rolle” im NS-Staat

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Wie in vielen anderen Großunternehmen mussten in der NS-Zeit auch bei BMW Zwangsarbeiter schuften, darunter KZ-Häftlinge aus Dachau.

In einer neuen Dauerausstellung wird betont sachlich darüber informiert – gänzlich ohne Autos und Flugzeug-Motoren.

“Stille tut uns gut”: So zeigt das BMW-Museum die NS-Geschichte

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