“Vatermilch” – Uli Oesterles großer Comic über Obdachlosigkeit – Top News

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“Allein das Gefühl, dort in irgendeiner Ecke zu liegen, wo es nach Urin stinkt, wo vorher Jahre lang schon Leute hingepinkelt haben”, beschreibt Oesterle seine Empfindungen.

“Dieser Geruch in der Nase, diese unglaubliche Kälte.

Und vor allem dieses Ausgeliefertsein, diese unglaubliche Unsicherheit.

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“Ich musste eigentlich tatsächlich nur von meinem Vater abschreiben”, sagt Uli Oesterle im Gespräch.

“Nur denke ich, dass Rufus Himmelstoss fast noch charmanter und sympathischer ist, als es mein Vater wahrscheinlich war.

Ich habe da nicht so viel Einblick.

Sehr viel zu Hause war er nicht.

Man hat halt immer vom Hörensagen gehört, dass er auch bei den Frauen ganz gut angekommen sei.

In den fein gezeichneten Bildern nimmt die Geschichte von Rufus Himmelstoss einen etwas anderen Lauf als die von Uli Oesterles Vater.

Ein tragischer Unfall wird zum Anlass für das Verschwinden.

Den hat es in der Realität nicht gegeben, Oesterles Buch ist eine fiktive Biographie.

Der Münchner Zeichner zieht seine Leserinnen und Leser auf diese Weise in eine folgenreiche Geschichte – und schließlich auch in die Welt der Obdachlosen.

Uli Oesterle hat in den vielen Jahren seiner Arbeit am Comic “Vatermilch” intensiv darüber recherchiert.

Das ging so weit, dass er selber drei Herbsttage lang auf der Straße lebte und schlief – ohne Geld, ohne Smartphone, ohne Wohnungsschlüssel.

Was er dabei lernte: Es geht so schnell, sich als Ausgeschlossener zu fühlen.

Uli Oesterles Comic-Projekt “Vatermilch” erscheint beim Carlsen-Verlag.

Den Auftakt bildet Band 1: “Die Irrfahrten des Rufus Himmelstoss”

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Ein Mensch lässt alles hinter sich, verschwindet und lebt fortan auf der Straße.

Der Münchner Comic-Zeichner Uli Oesterle erzählt davon in seiner neuen, intensiven Graphic Novel.

Hinter der fiktiven Biographie steht die Geschichte des eigenen Vaters.

Der Rolling Stone ist wieder auf Tour.

Rufus Himmelstoss, Markisen-Vertreter und Schwabinger Edelgewächs: hagere Gestalt, die Haare fast schulterlang, fette Kotletten, peppiger Anzug, auffällig gemustertes Hemd.

Er besucht Hausfrauen in den Münchner Außenbezirken, schwatzt ihnen Sonnensegel auf und zieht dann mit den gelangweilten Kundinnen ins Schlafzimmer.

Sein Geld verbrennt Rufus Himmelstoss anschließend beim Pokern und in Clubs wie dem “Yellow Submarine”.

Die eigene Familie sitzt derweil zu Hause.

Mutter und Sohn warten beständig, der Kühlschrank ist leer, zu Trinken gibt es allein Leitungswasser.

Und gemeine Post vom Finanzamt kommt.

Wie wohl auch Uli Oesterle.

Er hat sich viel Zeit und Raum genommen, die Geschichte seines Vaters – und damit seine eigene – zu erzählen, schonungslos, ohne jede Sentimentalität.

Das Projekt, ausgezeichnet mit dem Comic-Buchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung, wuchs beständig.

Der nun erscheinende Auftakt – ein Viertel von einmal über 500 Seiten – ist voller Wucht, so viele Bilder flirren, brennen sich ein.

Zudem zeigt Oesterle, was das wirklich bedeutet: plötzlich auf der Straße zu leben, bei Regen, Kälte und Schnee.

“Vatermilch” gehört zu den Comics aus Deutschland, die man nach der Lektüre nicht einfach so wieder ins Regal stellen kann.

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen.

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“Seit Jahren fragt er sich: Wo komme ich eigentlich her”, sagt Oesterle über sein Alter Ego im Comic.

“Aus welchem Stall komme ich? Ich habe meinen Vater nicht gekannt.

Ich mochte meinen Vater.

Aber was hat er mir vererbt? Hat er mir nur die beschissenen Gene vererbt, die negativen Anteile? Oder bin ich ihm überhaupt ähnlich? Wer bin ich? Und das treibt ihn sehr um.

“An dem Tag, als er raus musste, so geht das Gerücht, ist er wohl aus der Wohnung raus, ist auf ein Fahrrad gestiegen und ward nie wieder gesehen.

Also schon auch sehr mysteriös.

” Diese Anekdote – oder dieses Gerücht, von dem er gehört habe – hat Uli Oesterle dann auch dazu gebracht, dass der Vater im Comic auf seltsame Weise immer wieder verschwindet.

“Und letztendlich hat das auch mit meiner eigenen Art und Weise zu erzählen zu tun.

Weil ich ja immer versuche, dieses Mysteriöse hinein zu bringen und dadurch auch Spannung zu erzeugen.

Die Geschichte von “Vatermilch” wird in zwei beständig miteinander verbundenen Ebenen erzählt: Da ist die von Rufus, die 1975 spielt und bei der – zum schwarzen Strich – warme Grautöne kommen.

Und da ist die des Sohnes, von Victor Himmelstoß, 30 Jahre später, ebenso reduziert koloriert, in einem kühlen Violett.

Victor, auch er Comic-Zeichner, hat selbst eine Familie.

Er kommt mit den pubertären Schüben seines Sohnes nicht zurecht und hat überdies eine denkwürdige Begegnung mit der Polizei.

Er träumt davon, auszubrechen.

Ein Mensch verschwindet spurlos

Zaungast in der Welt der Obdachlosen

Eine Geschichte von Vätern und Söhnen

Uli Oesterles großer Comic “Vatermilch” zeigt den Zerfall einer Familie.

Die Mutter will sich mit der Situation nicht länger abfinden.

Eine Schlüsselszene auf einer ganzen Seite zeigt sie und Victor, Oesterles Alter Ego, hinter der Wohnungstür.

Der Partylöwe ist einmal mehr aufgebrochen.

Victor, das Kind, starrt in die Leere.

Die letzte Begegnung.

Rufus Himmelstoss verschwindet, ein für alle Mal.

Uli Oesterle hat das ganz ähnlich erlebt.

Sein Vater, so erzählt er, sei einfach nach Karlsruhe gezogen.

Die Wohnung, in der er dort lebte, wurde ihm irgendwann gekündigt.

Er wurde obdachlos.

Es gab da schon lange keinen Kontakt mehr.

Uli Oesterle hat das alles erst nach dem Tod seines Vaters erfahren:

Ein Mensch lässt alles hinter sich, verschwindet und lebt fortan auf der Straße.

Der Münchner Comic-Zeichner Uli Oesterle erzählt davon in seiner neuen, intensiven Graphic Novel.

Hinter der fiktiven Biographie steht die Geschichte des eigenen Vaters.

“Vatermilch” – Uli Oesterles großer Comic über Obdachlosigkeit

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