Warum 1980 im ehemaligen KZ Dachau ein Hungerstreik stattfand – Top News

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Die evangelische Versöhnungskirche im Norden der KZ-Gedenkstätte Dachau steht auch für einen “Kampf um die Erinnerung”.

Sie ist Teil einer Erinnerungskultur, gegen die sich manche politischen und gesellschaftlichen Gruppen heute wieder offen aussprechen.

Uta Horstmann ging zusammen mit zwölf Sinti und Roma 1980 im ehemaligen KZ Dachau in den Hungerstreik.

Sie kämpften um die Anerkennung als NS-Opfer.

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Bis heute wissen viele nicht, dass hunderttausende Sinti und Roma misshandelt und ermordet wurden.

Lange Zeit spielte die Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus in der deutschen Erinnerungslandschaft kaum eine Rolle.

Erst die Arbeit der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma in den 1980er-Jahren brachte das Thema langsam ins Bewusstsein der Gesellschaft.

Mehr Informationen zu diesem Thema erfahren Sie auf STATIONEN in der BR Mediathek.

Sinti und Roma wurden in der NS-Zeit als “Asoziale” und “Zigeunerproblem” bezeichnet.

Sie wurden in Konzentrationslager verschleppt und schwer misshandelt.

Ziel war zum einen eine “Vernichtung durch Arbeit”, bis sie vor Erschöpfung und Hunger starben.

Andere wurden zu Forschungszwecken missbraucht.

Man testete an ihnen zum Beispiel die Trinkbarmachung von Meerwasser – viele Sinti und Roma überlebten das nicht.

Ein verzögerter Genozid war außerdem die Zwangssterilisierung, teilweise schon im Jugendalter und ohne Narkose.

Wer in den Konzentrationslagern nicht durch Kälte, Hunger und Erschöpfung starb, sollte vergast werden.

Der Kampf um Anerkennung

Massiver Missbrauch und Genozid

Sieben Tage ohne Nahrung

Foto-Ausstellung in der Versöhnungskirche

Vor 40 Jahren kamen hier Sinti und Roma zu einem Hungerstreik zusammen.

Sie forderten Aufklärung über den Verbleib der sogenannten “Zigeunerakten” aus der NS-Zeit.

Unter ihnen war auch die Sozialarbeiterin Uta Horstmann.

“Ich habe 1974 angefangen mit der Sinti-Arbeit in München.

Durch meine Arbeit habe ich sehr viele Sinti kennengelernt und da eigentlich erst richtig erfahren, dass es außerhalb der Juden auch eine Gruppe gab, die vom Völkermord betroffen war.

Und dann kannte ich ja die Personen dazu, deshalb war es mir ein Bedürfnis und eine Verpflichtung, an diesem Hungerstreik teilzunehmen”, erzählt Uta Horstmann.

Fast 40 Jahre lang hat sich Horstmann für Belange von Sinti und Roma in München eingesetzt.

Der Hungerstreik und der nahe Kontakt, der in dieser Zeit zu den Mitstreikenden entstand, haben ihre spätere politische und soziale Arbeit maßgeblich beeinflusst.

“Ich bin wachsam geworden”, sagt sie.

Uta Horstmann ging zusammen mit zwölf Sinti und Roma 1980 im ehemaligen KZ Dachau in den Hungerstreik.

Sie kämpften um die Anerkennung als NS-Opfer.

Bis heute wissen viele nicht, dass hunderttausende Sinti und Roma misshandelt und ermordet wurden.

Die Mitglieder der 1975 gegründeten Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma beendeten ihren Hungerstreik erst nach sieben Tagen, als Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel auf das Gelände der KZ-Gedenkstätte kam und Gespräche mit ihnen führte.

Er sprach später von einem “ganz wichtigen Anstoß” zum Abbau von Vorurteilen.

Zwei Jahre später wurde der NS-Völkermord an Sinti und Roma erstmals öffentlich von dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt anerkannt.

Die Ängste, die in der NS-Zeit bei den Sinti und Roma entstanden sind, wirken bis heute, sagt Diepold: “Bis ins Jahr 2000 hatten wir noch ältere Menschen, die sich vor die Türen der Klassenzimmer in die Schulen gestellt haben und gesagt haben ‘Wir warten so lange, bis sie wieder rauskommen und nehmen sie mit'”.

Denn in der NS-Zeit wurden etliche Sinti-Kinder aus den Schulen abgeholt und in Konzentrationslager verschleppt.

In der Versöhnungskirche hängt derzeit eine Ausstellung über die Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma.

Alexander Diepold, selbst Sinto, betreut in der sozialen Einrichtung Madhouse in München zurzeit mehr als 300 Sinti-Familien.

Ihn bewegen die Eindrücke, die die Schwarz-Weiß-Bilder von den Demonstranten hinterlassen.

In den vielen Familien, die sie in München betreuen, sagt er, gebe es kaum eine Familie, die nicht durch die Großeltern persönlich von dem Holocaust betroffen sei.

Auch Diepold selbst erlebt immer noch Ausgrenzung.

Man habe etwa seine Professionalität in Frage gestellt.

Seine Loyalität zum Sinti-Familienband sei höher gestellt worden als seine Fachlichkeit.

“Das ist in meinen Augen Antiziganismus”, sagt der Sozialarbeiter.

Warum 1980 im ehemaligen KZ Dachau ein Hungerstreik stattfand

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