Warum die Arbeitswelt nach Corona eine andere werden könnte – Top News

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Lisa Herzog: Ja, ich denke hoffnungsfroh macht uns alle, die wir das unterschrieben haben, dass Menschen in der Lage sind, ihre Welt zu gestalten und sie nicht einfach nur, wie Houellebecq zu glauben scheint, hinzunehmen.

Ich glaube, dass Dinge sich entwickeln.

Aber es ist natürlich eine Frage, wie Gesellschaften, wie wir alle jetzt mit dieser Krise umgehen.

Wir können sie verstreichen lassen und dann in eine vielleicht noch schlechtere Welt zurückkehren.

Aber wir können auch versuchen, diese Gelegenheit zu ergreifen und einige fundamentale Fragen dazu zu stellen, wie wir uns als Gesellschaft eigentlich organisieren wollen.

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Und dazu möchte dieses Manifest einen gewissen Denkanstoß geben.

Sie wollen ja, das zeigt schon das Stichwort “demokratisieren” an, die Mitbestimmungsrechte in Betrieben stärken.

Im Manifest heißt es: ‘Fragen wie die Wahl des – oder der! – CEO, die Festlegung wichtiger Strategien und die Gewinnverteilung sind zu wichtig, um sie den Aktionärinnen und Aktionären allein zu überlassen.

Diejenigen, die ihre Arbeit, ihre Gesundheit, ja, ihr Leben in eine Firma investieren, sollten auch das kollektive Recht haben, derartigen Entscheidungen zuzustimmen oder ein Veto einzulegen.

‘ Man hört förmlich schon das Hohnlachen der Unternehmensführer und -führerinnen, wenn sie solche Forderungen lesen.

Knut Cordsen: Von Michel Houellebecq stammt die düstere Post-Corona-Prognose: “Wir werden nach der Eindämmung nicht in einer neuen Welt aufwachen; es wird die gleiche sein, nur ein wenig schlimmer.

” Ihr Manifest über die Zukunft der Arbeit nach Corona ist deutlich optimistischer getönt.

Was macht Sie so hoffnungsfroh?

Würdevolle Arbeit heißt, dass die Rahmenbedingungen stimmen, dass weder eine physische noch psychische Schädigung der Arbeitenden erfolgt.

Es heißt aber auch, dass man sich als Mitglied einer Gesellschaft sehen kann, zu der man einen wertvollen Beitrag leistet.

Wir behandeln im Moment manche Berufsgruppen sehr ungerecht, in dem Sinne, dass wir ihren Beitrag sehr wenig wertschätzen.

Dieser Applaus, den es in der Krise gab, der ist ja schön und gut.

Aber es ist ja keine strukturelle Veränderung.

Uns geht es darum, zu fragen: Wie können wir diese Einsicht, wie wichtig die Arbeit dieser Menschen eben ist, dann auch strukturell langfristig in den Institutionen unserer Gesellschaft verankern?

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Durch die Pandemie wird die Arbeitslosigkeit weltweit explodieren.

Wie Arbeit künftig neu strukturiert werden kann, zeigt ein von 3.

000 Wissenschaftler*innen unterzeichnetes Manifest.

Die Philosophin Lisa Herzog über Motive und Ziele der Initiative.

Saskia Sassen, Susan Neiman, Thomas Piketty, Rahel Jaeggi, Chantal Mouffe, Nancy Fraser u.

v.

a.

m – es ist ein kleines Who’s who des internationalen Wissenschaftsbetriebs, das sich unter einem soeben veröffentlichten Manifest über die Zukunft der Arbeit nach Corona versammelt.

Zu den Mitunterzeichnern gehört auch die politische Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Lisa Herzog, die 2019 den politischen Aufruf “Die Rettung der Arbeit” veröffentlichte.

Knut Cordsen hat mit ihr über das von mehr als 3.

000 Wissenschaftlern unterzeichnete Papier gesprochen.

Es geht Ihnen und den Mitunterzeichnern um die “Würde der Arbeit”.

In den vergangenen Wochen ist den Ärzt*innen und Pfleger*innen, die sich um Opfer der Covid19-Pandemie kümmern, viel öffentlicher Beifall gespendet worden, aber das ist kaum die Anerkennung, um die es Ihnen gehen dürfte.

Was heißt “würdevolle Arbeit” für Sie?

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, für Auseinandersetzungen und – manchmal auch für großes Vergnügen.

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Das Motto des Manifests lautet: “Arbeit demokratisieren, dekommodifizieren, nachhaltig gestalten” – was genau ist damit gemeint?

Es ist ja interessant, dass der erst für Banken verwendet und jetzt wird er für Krankenpfleger, Frauen, die Supermärkte bestücken oder Menschen, die dort an der Kasse sitzen, verwendet.

Wir sehen auf einmal, dass es wirklich die arbeitenden Menschen sind, auf die wir nicht verzichten können.

Ob diese Banken alle wirklich so systemrelevant waren, darüber könnte man auch eine Diskussion führen.

Aber es zeigt sich eben darin, dass wir alle – gerade auch jemand wie ich und viele Mitunterzeichner, die wir in der akademischen Welt arbeiten und jetzt relativ geschützt sind im Homeoffice -, unglaublich abhängig sind von der Arbeit anderer Menschen.

Diese grundsätzliche Abhängigkeit muss sich, wie in unserem Text gefordert, irgendwie auch in dem ausdrücken, wie wir die Arbeit dieser Menschen in der Gesellschaft organisieren.

Es kann nicht sein, dass das so ausbeuterischere Verhältnisse sind, wie das leider im Moment in vielen Bereichen noch der Fall ist.

Naja, wir haben 2008 eine gute Krise in dem Sinne schon verschwendet sozusagen.

Es soll jetzt überhaupt nicht so klingen, als ob wir das irgendwie schön oder gut finden, dass die Arbeitslosigkeit hochschnellt.

Aber sie wird es eben wahrscheinlich tun.

Und die Frage ist dann: Gehen wir mit den üblichen Instrumenten vor, die ja in vielen Ländern auch eigentlich quasi keine Instrumente sind, weil einfach sehr, sehr wenig Absicherung da ist, oder versuchen wir, andere Ansätze zumindest auszuprobieren? Geht es nicht auch anders? Das ist auch gar nicht so neu, speziell in Bezug auf Arbeitslosigkeit ist ja der Gedanke einer Jobgarantie schon lange da.

Das wurde ja auch in der ersten, ganz großen Weltwirtschaftskrise in den 1930ern teilweise umgesetzt, dass in USA bestimmte Formen staatlicher Beschäftigung auch stattgefunden haben.

Das ist sicher nicht perfekt gelaufen.

Aber es war ein Element all der Werkzeuge, mit denen man aus dieser Krise dann auch wieder rausgekommen ist.

Der schon aus der Finanzkrise 2008 vertraute Begriff der “Systemrelevanz” ist auch im Zuge der Corona-Krise wieder schwer im Schwange.

Wie kann man den fruchtbar machen für das, was Sie mit dem Manifest fordern?

Es zeichnet sich ja, auch das thematisiert das Manifest, eine “explodierende Arbeitslosigkeit” weltweit ab – Sie sehen aber gerade diese mutmaßlich schwere ökonomische Krise, in die die Pandemie uns bringt, als Chance.

Folgen Sie da eher dem Winston Churchill zugeschriebenen Satz: “Never let a good crisis go to waste”?

Das mag sein.

Aber das heißt auch nur, dass wir damit rechnen müssen, dass es sicher Widerstand gegen solche Forderungen gibt.

Aber den gab es historisch bei vielen Forderungen, von denen wir heute sagen würden: Das war doch vollkommen gerechtfertigt.

Als das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, gab es auch viele Männer, die sich hohnlachend hinstellten und dachten, es wird nie kommen.

Ich meine, wir sind in Deutschland schon sehr viel weiter als manch andere Länder, was die Mitbestimmung angeht.

Was nicht heißt, dass sie nicht noch weitergehen könnten.

Aber das zeigt auch, dass an den ökonomischen Theorien, die davon ausgehen, dass Firmen, in denen die Arbeitenden mehr Mitbestimmungsrechte haben, im globalen Markt nicht überleben können, irgendetwas nicht stimmen kann.

Sonst könnte das deutsche Modell nicht funktionieren und das tut es ja im internationalen Vergleich relativ gut.

Man muss die Substanz vieler Theorien, nach denen alles alternativlos ist, hinterfragen und schauen, wo eine Theorie einfach nur Ideologie ist.

Durch die Pandemie wird die Arbeitslosigkeit weltweit explodieren.

Wie Arbeit künftig neu strukturiert werden kann, zeigt ein von 3.

000 Wissenschaftler*innen unterzeichnetes Manifest.

Die Philosophin Lisa Herzog über Motive und Ziele der Initiative.

Demokratisieren heißt, dass wirtschaftliche Macht von denjenigen, die unter ihr stehen, demokratisch kontrolliert werden soll.

Also die eigentlichen Arbeitenden sollen mitbestimmen dürfen darüber, wie ihre Arbeit gestaltet wird.

Das kann unterschiedliche Formen annehmen, sei es durch Genossenschaften, sei es durch Ausbau der Mitbestimmung.

Und das bedeutet einfach, dass wir das Prinzip, dass wir im politischen Bereich für das richtige halten, nämlich Demokratie, auch in der Wirtschaftswelt verankern.

Dekommodifizieren heißt, dass man ein Gut nicht alleine den Marktkräften überlässt.

Da stellen sich dann eben Fragen nach der Gestaltung des Arbeitsmarktes, gerade auch in solchen Bereichen wie dem Gesundheitsbereich, wo es wirklich um Leben und Tod geht.

Und da fällt dann eben auch dieser Gedanke der öffentlichen Beschäftigung im Sinne einer Jobgarantie darunter.

Nachhaltig gestalten muss man vielleicht gar nicht weiter erläutern.

Also bei allen Fragen der Gestaltung der Arbeitswelt müssen wir mitbedenken, dass wir das Problem des Klimawandels bewältigen müssen, dass wir unsere Gesellschaften auf eine nachhaltigere Schiene setzen müssen.

Da geht es zum Beispiel auch um die Frage: Wo wird welche Technologie eingesetzt, wo werden Menschen eingesetzt? Was hat das für die Energiebilanz für Konsequenzen? All das spielt eine Rolle.

Warum die Arbeitswelt nach Corona eine andere werden könnte

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