Weggesperrte Schätze: Bayerns Museen in der Corona-Krise – Top News

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Im oberbayerischen Museum Penzberg/Sammlung Campendonk sind alle Kräfte, auch die Aufsichten, fest bei der Stadt angestellt.

Jetzt, da ihre Dienste nicht im Ausstellungshaus benötigt werden, setzt sie die Kommune an anderen Stellen ein.

Für einen Hausmeister ist eben immer irgendwo Bedarf.

Andere befinden sich im Homeoffice oder feiern Überstunden ab.

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Trotzdem vermisst Axel Städter von der MEWO Kunsthalle in Memmingen nichts so sehr wie die eigenen museumspädagogischen “Miniateliers” mit Schülerinnen und Schülern aus der Region.

Ähnlich wie beim Homeschooling finden diese Jugendkunstaktionen in diesen Tagen als Filme auf Instagram oder Facebook statt.

Gerade die MEWO versteht sich als “außerschulischer Lernort”.

Als Platz, an dem viele Jugendliche erstmals mit Kunst und Kultur in Berührung kommen.

Und wenn Museen, aber auch Theater, Konzerthallen, Kinos eine Zukunft haben sollen, dann beginnt die Nachwuchspflege in einer Kunsthalle wie dieser.

Wird hier doch der künstlerische Nachlass des 1967 in Memmingen verstorbenen Josef Madlener verwahrt.

Dessen Bild “Der Berggeist” inspirierte einst J.

R.

R.

Tolkien zur Figur des Zauberers Gandalf im “Herrn der Ringe”.

Derweil schreibt Helga Gutbrod, seit 1999 Gründungsdirektorin des Edwin-Scharff-Museums in Neu-Ulm, auf Weisung des Neu-Ulmer Kulturamtsleiters an einem “Kulturbericht der letzten Jahre”.

Es gilt, sich der gerade bei den bayerischen Kommunalwahlen neu gewählten Stadtspitze vorzustellen.

Aufzuzeigen, wie wichtig das Edwin-Scharff-Museum inzwischen für das kulturelle Leben in Neu-Ulm geworden ist.

Schließlich muss man nur wenige hundert Meter nach Westen über die Donaubrücke gehen und ist in Ulm, der großen baden-württembergischen Schwester mit dem zweifellos größeren Kulturangebot und den vielen Museen.

Im Haus am Petrusplatz inventarisiert währenddessen das jetzt zwangsläufig unterbeschäftigte Kassenteam die Bücher der Museumsbibliothek.

Auch eine Methode der Arbeitsplatzerhaltung.

Das Kindermuseum im Untergeschoss liegt genauso verwaist wie die Sintenis-Ausstellung oben.

Im Internet gibt es “Blicke durchs Schlüsselloch”.

Aber können die einen Museumsbesuch auch nur annähernd ersetzen?

Gerade die Kinder sind die Besuchergruppe, um die sich viele bayerische Museumsleiterinnen und –leiter gerade am meisten bemühen.

Tatsächlich werden aber die Kleinen die letzte Zielgruppe sein, die man wieder hereinlassen kann.

Zu wenig kümmern sich die Jüngsten um Abstandsregeln und korrekte Maskenhygiene.

Nicht weit von Regensburg entfernt, in Neumarkt in der Oberpfalz, liegt das “Lothar-Fischer-Museum”.

Es ist dem einzigen Bildhauer unter den Malern der Künstlergruppe Spur aus den 50er/60er Jahren gewidmet.

Museumsleiterin Pia Dornacher konnte Ende Februar gerade noch eine interessante Ausstellung eröffnen: “Innen-Leben” mit japanischer Keramik des Autisten Shinichi Sawada und mit Tuschezeichnungen des 1965 verstorbenen Regensburgers Alfred Kremer.

Eine hochpoetische Ausstellungskonfrontation – sehr typisch für das Museum in Neumarkt.

Es wäre sehr schade, wenn man sie nur drei Wochen hätte sehen können.

Im Augenblick tauchen wechselnde Fotos der Exponate auf der Webseite des Hauses auf.

Eine “junge Kollegin”, so Pia Dornacher, kümmert sich auf Instagram und Facebook um ein wenig Aufmerksamkeit für die künstlerischen Positionen.

Bis 14.

Juni könne man jetzt die Exponate noch präsentieren.

Danach folgt unverrückbar die Schau des „Lothar-Fischer-Preisträgers“ Benjamin Houlihan.

In der durchgeplanten Kunstszene lassen sich eben nicht so ohne Weiteres die Ausstellungstermine nach hinten verlagern.

Oft enden Leihverträge.

Oder die Ausstellungsstücke werden anderswo benötigt.

Beim Haus der Kunst in München wäre gerade die Schau mit Werken des deutschen Künstlers Franz Erhard Walther zu sehen.

Über Ostern wurde in Zusammenarbeit mit dem mit Textilien arbeitenden Kunstprofessor aus Fulda im Inneren des Hauses der Kunst vier Tage lang die brandneue Arbeit “Anwesenheit” aufgeführt – unsichtbar für das Publikum, aber unter Mitwirkung des neuen Direktors Andrea Lissoni und des Künstlers.

Jetzt scheinen nach Sonnenuntergang für die vorbeifahrenden Autos auf der Westfassade Sätze aus der aktuellen Arbeit “Anwesenheit” auf.

“Körper sind die Grenze” steht da leuchtend in Blau und soll eine Anwesenheit (der Ausstellung/ des Künstlers Franz Erhard Walther) in der Abwesenheit suggerieren, neugierig machen auf die Wiedereröffnung in einigen Tagen oder Wochen.

Und trotzdem macht dieses blaue Leuchten neben fast leerer Prinzregentenstraße auch ein wenig melancholisch.

Man möchte mehr sehen, die Kunst verstehen.

Nebenan im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg nutzt man die Zeit, um die riesige Sammlung neu zu fotografieren und dokumentieren.

Hier wie in den Pinakotheken in München laufen die Planungen für die Wiedereröffnung auf Hochtouren: Wie kann das Aufsichtspersonal geschult werden, immer richtig mitzuzählen, wenn sich etwa höchstens 35 Menschen gleichzeitig in einer Ausstellung befinden dürfen? Muss auf den Toiletten immer Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen? Kann das Museum jeder Besucherin und Besucher eine Gesichtsmaske ausleihen? Oder wird das Mitbringen von Gesichtsschutz vor dem Eintritt zur obligatorischen Pflicht?

Das Bayerische Nationalmuseum in München befindet sich, so Direktor Frank Matthias Kammel, “im Notbetrieb”.

Was bedeutet das konkret? Zum einen wird mit den rund 60 Leihgebern der Ausstellung “Treue Freunde.

Hunde und Menschen” verhandelt.

Mit fast 20.

000 Besuchern nach zwei Dritteln der Laufzeit gehörte sie bis Mitte März zu den erfolgreichsten des Hauses.

Dann fielen publikumsträchtige Tage wie die Osterferien wegen Corona aus.

Man hofft jetzt, die Leihgeber von einer Verlängerung bis Pfingsten überzeugen zu können.

Momentan schaut es ganz gut aus: 85 Prozent stimmten bisher einer Verlängerung zu.

Das Bayerische Nationalmuseum konnte sich während der Tage der Schließung mit finanzieller Hilfe der Ernst-von-Siemens-Kulturstiftung bei einer Auktion in London auf die Erweiterung der Sammlung konzentrieren.

Die Meißener Porzellanbüste des deutschen Kaisers Karl VII.

aus dem Hause Wittelsbach, modelliert 1742 von Johann Joachim Kändler, konnte von dem Museum für 55.

000 Pfund ersteigert werden.

Wenn im Mai die Besucher zurück ins Haus kommen sollten, wird das Stück schon in der Porzellanabteilung im zweiten Stock stehen.

Seit Mitte März stehen Bayerns Museen gewissermaßen unter Quarantäne: Keine Besucher erlaubt, nirgendwo.

Bilder, Filme und Texte im Internet sind für Kunstfreundinnen und –freunde ein schwacher Ersatz.

Ein Überblick von Franken bis Oberbayern.

Seit Mitte März gelten wegen der Corona-Pandemie die Kontaktbeschränkungen und damit die Schließungen von Kulturstätten in Bayern.

Im Inneren des Edwin-Scharff-Museums in Neu-Ulm steht seit Wochen die fertige Ausstellung der Bildhauerin Renée Sintenis (1888 – 1965), Schöpferin der klassischen Figur des Berliner Bären und vieler weiterer entzückender Tierbronzen.

Überdies eine Zeitgenossin von Museums-Namensgeber Edwin Scharff, der ein Bildhauer, aber auch ein gebürtiger Neu-Ulmer gewesen ist.

Doch niemand kann im Augenblick die Kunstwerke von Sintenis oder Scharff sehen.

Es hat Anfang April keine Ausstellungseröffnung gegeben.

Seither keine Führungen.

Manchmal rufen die Fans des Museums an und fragen nach den literarischen Abenden, die sonst am Neu-Ulmer Petrusplatz stattfinden.

Auch wollen sie wissen, welche Sicherheitsvorkehrungen dafür getroffen worden sind? Keine.

Wo keine Lesung oder Konzert, da auch keine Maskenpflicht.

Das “Museum für Franken” auf der Festung Marienberg hoch über Würzburg versucht recht erfolgreich, über seine Facebook- und Instagram-Accounts Kontakt zum Publikum zu halten.

Da wurde zu Beginn der Corona-Krise ein Malwettbewerb “Zu Hause ist es doch am schönsten!?” für Teilnehmer*innen aller Altersstufen angeregt.

Museumssprecherin Sarah Merabet ist mit fast 100 Einsendungen bisher sehr zufrieden.

Die Preise sind generationsspezifisch und eng an das Museum in gesunden Zeiten gebunden: Für die Älteren ein Sektempfang mit exklusiver Führung zu den Werken Tilman Riemenschneiders, für die Jüngeren ein Kindergeburtstag im Museum.

Aber auch mit aktuellen Inhalten kann die MEWO Jugendliche für sich interessieren: Die Museums-Volontärin Linda Blaske erarbeitete in Memmingen mit Schulklassen Ausstellungen wie “Lernort Museum: Was steckt dahinter?”.

Teil eins konnte kurz vor dem Shutdown noch eröffnet werden.

Auf den zweiten Teil – erdacht, aber noch nicht präsentiert – müssen die Kunsthallen-Besucher bis nach den Corona-Einschränkungen warten.

Für die Erwachsenen hängt in Memmingen weiter die Malerei von Cigdem Aky.

Am 26.

April sollte “Ein blauer Himmel” eigentlich geschlossen werden.

Die attraktiven, gestisch gemalten Bilder mit den starken Farbkontrasten dürfen jetzt mindestens noch drei Wochen länger hängen.

Vor der Schließphase konnte die in München ausgebildete Künstlerin Aky noch ein Werk verkaufen und ist deshalb zur Verlängerung der Ausstellung besonders motiviert.

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Museumschroniken wollen geschrieben werden

Malwettbewerbe für die Corona-Isolierten daheim

Die Kinder fehlen sehr

Lernort Museum

Aktivierung von Jugendlichen

Die Freiheit der Kunst im Park

Hoffnung auf Verlängerung

Eher eine Notlösung: Kunst im Netz

Präsentationsraum Hausfassade

Eine virtuelle Party

Überlegungen zur Wiederöffnung

Freudige Entdeckungen in der Ruhephase

Wertvolle Büste ersteigert

Der Papagei, der süße Eier legt

Andere Museen versuchen in diesen Tagen fast verzweifelt, die Ausstellungen aus den gegenwärtig verschlossenen Hallen irgendwie nach außen zu tragen.

Die Städtische Galerie Rosenheim präsentiert ihre aktuelle Schau “Made in Rosenheim” über einhundert Jahre lokale Design- und Wirtschaftsgeschichte zum Beispiel als einen an Street View erinnernden Rundgang.

Man klickt sich von Raum zu Raum, blickt aus der Vogelperspektive auf Exponate – und kämpft ein wenig mit Schwindelgefühlen.

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen schalten mittwochs und freitags Kurator*innen in den sozialen Medien frei, die dann zwischen 13.

30 Uhr und 14 Uhr über einzelne Werke referieren.

Ähnlich hält es das Franz-Marc-Museum in Kochel: Die derzeit nicht sichtbare Ausstellung “Franz Marc.

Die Skulpturen” lässt jeden Freitag im Netz ein “Highlight der Woche” aufscheinen.

Anwesenheit in Abwesenheit auch beim Neuen Museum Nürnberg: 20 Jahre alt ist das vorbildhafte Haus für Kunst und Design im April geworden.

Es hat einen unübersehbaren Vorteil in der Corona-Krise: Durch die lange, gebogene Glasfassade von Architekt Volker Staab kann man auch jetzt von außen viel vom Inhalt sehen.

Aber die Jubiläumsparty musste schlicht abgesagt werden.

Jetzt kann man sich die ohne Publikum gehaltenen Reden von Kunstminister Bernd Sibler, Kulturreferentin Julia Lehner, Oberbürgermeister Ulrich Maly, Museumsdirektorin Eva Kraus und Kurator Thomas Heyden auf der Webseite ansehen.

In den Wind gesprochen: Zutaten zu einer leider ausgefallenen Feier.

Die besten Neuigkeiten kommen im Bayerischen Nationalmuseum aber aus den Restaurierungswerkstätten: Auf Anfrage der Kollegen in Dresden hat man sich nach langer Zeit mal wieder mit einem Papageienautomaten aus der eigenen Sammlung beschäftigt.

Er ist entweder in Augsburg oder Nürnberg um 1600 entstanden und amüsierte beim Speisen die vornehme Gesellschaft im 17.

Jahrhundert.

Nach seinem Wartungsaufenthalt in den Werkstätten kann er nun wieder Augen und Schnabel bewegen.

Und mit Hilfe eines Blasebalgs im Inneren Zuckereier legen.

Der Papagei, der süße Eier legt, wäre allein Grund genug, bald mal wieder ins Museum zu gehen.

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg, gegründet 1970, hätte in diesem Sommer 50-jähriges Bestehen feiern können.

Wirklich dumm gelaufen! Einstweilen wurden alle Ausstellungen in den Herbst verschoben, auch die Schau “Lovis-Corinth-Preis 2020: Peter Weibel – Post? Europa” mit dem wirbeligen Leiter des ZKM in Karlsruhe und seiner Medienkunst.

So verlegt man sich in Regensburg vorerst auf die beliebte und vor allem weiterhin zugängliche städtische Parklandschaft.

Man bietet erstmals einen Kunstguide für Smartphones zu den Skulpturen aus der Sammlung, die sich im Stadtpark befinden.

Da wird der Corona-Spaziergang glatt zum Museumsbesuch.

Und: Unter dem Motto “StellDichEin” suchen hinter den Säulen des Portals zum Kunstforum die Mitarbeiterinnen einzelne Papierarbeiten aus der Sammlung heraus, die dann in einer Museums-Sommer-Jubiläums-Schau der kleineren Art Bezug auf die Gemälde in der Dauerausstellung nehmen sollen.

Seit Mitte März stehen Bayerns Museen gewissermaßen unter Quarantäne: Keine Besucher erlaubt, nirgendwo.

Bilder, Filme und Texte im Internet sind für Kunstfreundinnen und –freunde ein schwacher Ersatz.

Ein Überblick von Franken bis Oberbayern.

Der ehemalige Galerist und aktive Kunstsammler Heiner Friedrich ist eine fast schon legendäre Figur.

In München, Köln und New York war er ein zentraler Player der Kunstszene der letzten 50 Jahre.

Im oberbayerischen Traunreut hat er sich mit “DASMAXIMUM” in ehemaligen Industriegebäuden einen Lebenstraum erfüllt.

Auf 5000 Quadratmetern sind ganze Hallen einzelnen Künstlern wie Andy Warhol, Dan Flavin, Walter De Maria oder Georg Baselitz gewidmet.

Maximum-Leiterin Birgit Löffler langweilt sich während der Schließung eher nicht.

Auch ihr geht es in erster Linie um die Jugend: Mit zwei Kolleginnen sitzt sie über neuen “Aktivblättern”.

Bastel- und Arbeitsbögen für Schüler und Schülerinnen aus der Umgebung, die das MAXIMUM in Klassenstärke regelmäßig besuchen.

Das neue Aktivblatt zu Georg Baselitz enthält zum Beispiel die grundsätzlich für alle Altersstufen hochinteressante Feststellung: “Deine Körpergröße beträgt acht Mal die Länge deines Kopfes.

Georg Baselitz spielt mit diesen Proportionen… Vergleiche sie mit deinem eigenen Körper”.

Ein weiteres neues Aktivblatt entsteht gerade zu Joseph Beuys, dessen 100.

Geburtstag im Jahr 2021 begangen werden wird.

Im Maximum wird in Nachfolge der berühmten Documenta-Aktion in Kassel 1987 eine Eichen-Allee gepflanzt, begleitet von einem Aktivblatt für Schulklassen.

Von der Wichtigkeit der Jugendarbeit ist Birgit Löffler zutiefst überzeugt: “Traunreut ist ein industriell geprägter Ort mit Bewohnern aus vielen Nationen.

So eine Gemeinde muss über die Jugend gewonnen werden.

” Ja und an einer “Chronik des Jahres 2019” schreibe sie auch.

Arbeiten, zu denen man sonst halt nicht kommt.

Weggesperrte Schätze: Bayerns Museen in der Corona-Krise

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