Wie die Demokratie durch soziale Medien ausgehöhlt wird – Top News

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Jahrelang arbeitete Wylie für diese “Massenvernichtungswaffe”.

Er analysierte Datensätze, arbeitete mit der Akribie eines Anthropologen: Er las mit, was Amerikaner über ihre Politiker dachten.

Schnappte Sätze wie “Lock her up” oder “Drain the swamp” auf – später wurden sie zu Schlachtrufen der Trump-Kampagne.

Mittlerweile hat Wylie Cambridge Analytica verlassen.

Er wurde zum Whistleblower, sagte vor dem US-Senat aus.

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Jetzt hat er ein Buch geschrieben: “Mindf*ck: Wie die Demokratie durch Social Media untergraben wird”.

Eine Beichte.

Ziel der Algorithmen, die Cambridge Analytica erschaffen hatte, sei es gewesen, diejenigen Menschen in einer Gesellschaft zu finden, die neurotisch auffällig sind und empfänglich für Verschwörungsmythen, erklärt der mittlerweile 30-jährige und nachdenklich gewordene Kanadier.

Christopher Wylie: „Mindf*ck.

Wie die Demokratie durch Social Media untergraben wird“, übersetzt von Gabriele Gockel, Claus Varrelmann, Bernhard Jendricke und Thomas Wollermann, erschienen bei DuMont für 18.

99 Euro.

Christopher Wylie beendet sein Buch mit einem offenen Brief an Gesetzgeber, in dem er beschreibt, wie Algorithmen reguliert werden müssten.

Es wäre schön, wenn sie ihn lesen.

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen.

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Christopher Wylie arbeitete für “Cambridge Analytica”, jene Firma, die illegal Daten klaute und Wähler beeinflusste.

Irgendwann reichte es ihm und er wurde zum Whistleblower.

Jetzt ist sein Enthüllungsbuch “Mindf*ck” auf Deutsch erschienen.

London, ein Schattenplatz auf dem Rasen vor dem britischen Parlament.

Wir sind mit einem Mann verabredet, der mitverantwortlich für den größten Datenmissbrauch in der Geschichte Facebooks ist.

Christopher Wylie.

Er gehörte zum Gründungsteam von “Cambridge Analytica”.

Ein Datenanalyse-Unternehmen, engagiert von Trumps ehemaligem Chefstrategen Steve Bannon für einen rechten Propagandafeldzug.

Was als erstes auffällt: Die pink gefärbten Haare, lange sein Markenzeichen, hat er gerade abrasiert.

“Cambridge Analytica hat gezeigt, wie einfach es ist, den politischen Diskurs in Amerika zu unterwandern – und ihn zu manipulieren.

Der Schaden, der davon ausging ist für mich mit der Wirkung einer Massenvernichtungswaffe zu vergleichen”, sagt der ehemalige “Bad Boy” des Internet.

Diese Zielgruppe bekam dann von Cambridge Analytica gezielt emotionale Videos zugespielt, die ihre Angst verstärken sollten – und gleichzeitig Trumps Waffengesetze als Lösung präsentierten.

Cambridge Analytica gibt es nicht mehr, die Methoden sind geblieben.

Auch, weil viele Politiker davon ausgehen, dass sie der Geschwindigkeit der digitalen Welt kaum etwas entgegensetzen können.

Ein Fehler.

“Stell dir mal vor, du müsstest ein Gebäude betreten, das keine Sicherheits-Standards erfüllen muss, weil der Architekt einfach an die Tür ein Schild gehängt hat: Wer das Haus betritt, trägt selbst das Risiko.

Das ist doch unvorstellbar.

” Aber genau so würden wir es mit unserer digitalen Architektur machen, sagt Wylie.

“Wir brauchen Gesetze, die anerkennen, dass digitale Technologien nicht einfach nur Dienstleistungen sind, sondern Ingenieursarbeit.

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen.

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Cambridge Analytica gelang es, individuelle Ängste von Facebook-Nutzern zu identifizieren.

So konnte das Unternehmen politische Propaganda zielgenau für unterschiedliche Bedürfnisse entwickeln.

“Ich erinnere mich daran, wie wir einmal eine Fokusgruppe mit afro-amerikanischen Frauen befragt haben”, erzählt Wylie.

Viele hätten erzählt, dass sie einen zweiten oder dritten Job bräuchten, um über die Runden zu kommen, “dass sie Angst haben, wenn sie nachts alleine auf dem Weg zur Arbeit sind.

Und dass sie eine Waffe brauchen, um sich sicherer zu fühlen.

” Für rechte Kampagnen-Strategen sei das ein gefundenes Fressen: “Für sie heißt das: Okay, Rassendiskriminierung oder Ungleichheit können wir ignorieren, wenn wir es schaffen, diese Angst aufzugreifen und zu instrumentalisieren.

Vom Bad Boy zum Whistleblower

Politische Propaganda – abgestimmt auf die Ängste des Nutzers

Der Firma gelang es, illegal Daten von über 80 Millionen Facebook-Nutzern auszuwerten.

Christopher Wylie spricht darüber sehr selbstbewusst in seinem Buch, immer wieder kokettiert er mit den Erfolgen von Cambridge Analytica.

Beim Lesen wird man das Gefühl nicht los: Er ist noch immer fasziniert von der Macht, die ihm die digitalen Abhörmethoden gaben.

Sympathisch ist das nicht immer – doch die große Stärke des Buches ist, dass Wylie detailliert beschreibt, mit welchen digitalen Methoden die Demokratie ausgehöhlt werden kann.

Ein Einblick in den Maschinenraum der Manipulation.

So konnte man jeder Person eine individuelle Nachricht “ins Ohr flüstern”, erzählt Wylie.

Christopher Wylie arbeitete für “Cambridge Analytica”, jene Firma, die illegal Daten klaute und Wähler beeinflusste.

Irgendwann reichte es ihm und er wurde zum Whistleblower.

Jetzt ist sein Enthüllungsbuch “Mindf*ck” auf Deutsch erschienen.

Wie die Demokratie durch soziale Medien ausgehöhlt wird

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