Wie Hans Baluschek den Spagat zwischen Gosse und Salon schaffte – Top News

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etwa auf dem Bild “Malschule” von 1894: Mit niedergeschlagenen Augen steht die junge Frau da und knöpft schamhaft ihr Mieder auf.

Hinter ihr leuchtet die Glut des Kanonenofens, draußen liegt Schnee.

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Im Vordergrund beobachten Männer im Anzug das Schauspiel und rauchen genüsslich Kringel in die Luft.

Die Herren sind angehende Künstler, die halb entkleidete Frau das Modell.

Baluschek malte die Szene kurz nach seinem Studium.

Sie zeigt das feine Gespür des jungen Künstlers für das Ungleichgewicht einer Situation, erklärt Kurator Fabian Reifferscheidt: “Dadurch entsteht eine ganz perfide Machtstruktur innerhalb des Bildes, die so eine Bedrohung auch darstellt.

Wie Hyänen, die ihr Opfer in die Ecke gedrängt haben.

Und dadurch hat er ein Gegensatzpaar, das er als stilistische Strategie gerne anführt: Das Zusammenführen von Gegensätzen.

Das ist nicht nur männlich und weiblich, sondern auch arm und reich.

1907 zeichnet er für die Ausstellung der Berliner Secession mit Kohle und schwarzer Kreide die Serie “Opfer”.

Das Blatt “Der Ausreißer” beschäftigte sogar den Staatsanwalt: Ein berittener Polizist führt einen Jungen am Strick durch den Schnee.

Der Künstler selbst hat sein Gespür für gesellschaftliche Schieflagen mit einem Erlebnis aus der Kindheit erklärt.

Das Dienstmädchen habe ihn sonntags auf dem Rummel der Berliner Hasenheide sitzen gelassen.

In Lärm und Getümmel hätten sich – schreibt er – Elend und Jammer in ihn hinein gefressen.

“Ich kenne kaum einen Maler, dessen Gemälde mehr Berlin sind”, sagt der Kurator Fabian Reifferscheidt, “aber er selbst sagte, dass seine Stadtansichten eigentlich nicht wieder zu erkennen seien.

Die Leute kamen zu ihm und meinten: ‘Ach hier, das Haus kenne ich doch, da war ich schon.

‘ Und dann sagte er: ‘Nee, kannst Du nicht, ich würfele die Stadt so zusammen, wie ich es für meine Bildaussage brauche.

‘”

“Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze” heißt die Ausstellung zum 150.

Geburtstag von Hans Baluschek.

Sie ist bis zum 27.

September unter den üblichen Vorsichtsmaßnahmen im Berliner Bröhan-Museum zu sehen.

Dort ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Katalog ist im Wienand–Verlag erschienen und kostet 25,- Euro.

Und da ist sie doch noch – die Pfütze.

Die bunte Leuchtschrift über den Fenstern des Stundenhotels spiegelt sich im nassen Asphalt.

“Zu den Paradiessälen” lockt sie.

Jedes Bild von Hans Baluschek liest sich wie eine moderne Kurzgeschichte.

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“Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze” urteilte ein Kritiker über den 1870 geborenen Maler.

Das Zitat ist Titel der großen Hans-Baluschek-Ausstellung im Bröhan-Museum Berlin.

Ein Schlaglicht auf das soziale Gefälle der Gründerzeit – überraschend aktuell.

Hans Baluschek studierte Malerei an der Berliner Hochschule der Bildenden Künste und war eines der ersten Mitglieder der Secession.

Die Künstlervereinigung setzte sich ab von der herrschenden Auffassung der Akademien, denen die Heldendarstellung der Historienbilder als Ideal galt.

Baluschek malte anders.

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Die enorm dichte Ausstellung des Berliner Bröhan-Museums zum 150.

Geburtstag von Hans Baluschek spielt mit den Rätseln der Realität.

Hans Baluschek studiert die Gesichter der Verlierer des Industrialisierungsprozesses.

Die müden Fabrikarbeiter, die Kinder, die älter wirken als sie sind.

Und immer wieder die Frauen, die sich selbst verkaufen müssen.

Die Lehm braunen Fassaden der Gründerzeitbauten, die Brandwände und Leuchtreklamen – das alles wirkt auch heute noch vertraut.

Und doch handelt es sich um ein fiktives Berlin.

Fabian Reifferscheidt erklärt die Besonderheit des Bildes so: “Wir betrachten die Frauen von oben und eine ganze Reihe von ihnen schaut uns als Betrachter heute noch an.

Das ist ein Verfremdungseffekt, der für die Zeit schon erstaunlich ist, den man Baluschek so auch nie zugeschrieben hat.

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Perfide Machtstrukturen der Kaiserzeit

Gespür für gesellschaftliche Schieflagen

“Seine Gemälde sind Berlin”

Reifferscheidt nennt den Maler einen Meister der Blickführung.

Manchmal treffen sich die Blicke der Figuren und der Betrachter wie in dem Bild “Großstadtwinkel” von 1929.

Ein beleuchteter Boulevard endet in einer düsteren Sackgasse.

Hier warten Gelegenheitsprostituierte auf Freier.

“Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze” urteilte ein Kritiker über den 1870 geborenen Maler.

Das Zitat ist Titel der großen Hans-Baluschek-Ausstellung im Bröhan-Museum Berlin.

Ein Schlaglicht auf das soziale Gefälle der Gründerzeit – überraschend aktuell.

Wie Hans Baluschek den Spagat zwischen Gosse und Salon schaffte

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