Wuhan Diary – Fang Fangs populärer Blog über den Corona-Lockdown – Top News

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Seit mehr als 60 Jahren lebt die Autorin in Wuhan, der Hauptstadt Hubeis, Provinz der Tausend Seen.

Mit zwei Jahren ist sie dorthin gekommen und seitdem geblieben – zum Studieren und Arbeiten: als Packerin, Reporterin, Redakteurin, Schriftstellerin.

Jede Straßenbiegung sei ihr vertraut, schreibt sie einmal, und genauso viel Erfahrung hat sie mit der Politik des Landes – auch der Zensurpolitik.

Kaum ein Blogeintrag, der nicht vom Verschwinden eines früheren berichtet oder von der Sorge, der nächste könnte sein Publikum gar nicht mehr erreichen.

Das ist gerade deshalb aufschlussreich, weil die Kritik an der Politik, die sie äußert, für westliche Ohren gar nicht übermäßig harsch klingt und zudem eingehegt wird von affirmativen Passagen.

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Da ist die Rede vom Virus als gemeinsamem Feind der Menschheit.

Von der Epidemie als Krieg.

Und immer wieder wird auch die Leserschaft eingeschworen: So schwer es auch falle, heißt es einmal, man müsse der Regierung vertrauen, zumindest jetzt in der Krise!

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen.

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Zur Zeit der Abriegelung von Wuhan wurde die chinesische Schriftstellerin Fang Fang mit ihrem Blog zur großen Trösterin der eingesperrten Menschen.

Jetzt ist ihr Blog über das Leben, Sterben und Schweigen in Wuhan als Tagebuch erschienen.

Zu schreiben, erklärt Fang Fang gleich zu Beginn, zu schreiben sei das einzige Mittel, ihren Gefühlen “Luft zu verschaffen”.

Aber dieses Tagebuch ist mehr als der Versuch, den eigenen Atem wieder in Takt zu bringen: Es ist Raum für Kritik und Beschwörung, Dokument für wechselnde Gefühls- und Wetterlagen und Zeugnis von Sprachlosigkeit und Sprechverboten.

Als Fang Fang am 25.

Januar zu bloggen beginnt, sind etliche Fragen offen, die drängendste: Warum wurde behauptet, das neue Virus übertrage sich nicht von Mensch zu Mensch? Wer wusste oder ahnte immerhin, dass diese Behauptung falsch war, und warum wurde trotzdem geschwiegen? “Schweigen ist Gold, mit Schweigen demonstriert man seine Gedankentiefe.

Aber was bedeutet Schweigen in einer solchen Situation? Werden wir auch künftig mit Schweigen dieser Art konfrontiert sein?”, fragt sie in ihrem Tagebuch.

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Erst aus diesem Zusammenspiel – Vorwurf und Rechtfertigung – ergibt sich ein Bild, was Zensur in China, in dieser Stadt Wuhan, wirklich bedeutet.

Erst dieses Zusammenspiel lässt einen spüren, welcher Mut darin liegt, den eigenen Gefühlen Luft zu verschaffen, Aufklärung einzufordern und eine Katastrophe auch Katastrophe zu nennen: “Wir befinden uns inmitten einer Katastrophe.

Katastrophe bedeutet, dass früher eine Leiche mit einem Leichenwagen zur Feuerbestattung transportiert wurde, und zwar in einem Sarg; heute dagegen werden Leichen in Säcken auf die Ladefläche eines Transporters geschichtet.

Katastrophe bedeutet, dass es nicht einen Toten in der Familie gibt, sondern dass innerhalb weniger Tage oder eines halben Monats die komplette Familie ausgelöscht wird.

Katastrophe bedeutet, dass du deinen kranken Körper bei Kälte, Wind und Regen von Ort zu Ort schleppst, auf der verzweifelten und ergebnislosen Suche nach einem Krankenhaus, das dich aufnimmt.

Katastrophe bedeutet, dass du vom frühen Morgen des ersten bis zum Morgen des nächsten Tages im Krankenhaus Schlange stehst, bis du schließlich umkippst, bevor deine Nummer aufgerufen wird.

Die Epidemie als Krieg

Zensur in China – und der Hunger nach Wahrheit

“Das Einzige, was wir tun können: uns selbst und unsere Familienangehörigen schützen, den Anweisungen Folge leisten, hundertprozentig kooperieren, die Zähne zusammenbeißen und die Wohnungstür fest verschlossen halten.

Heule und schreie, wenn dir danach zumute ist, kümmere dich nicht mehr um den Stand der Epidemie, wenn dir’s zu viel wird, das ist alles in Ordnung.

Tu’ alles, was dir hilft, diese Prüfung zu überstehen.

Darin besteht wahrscheinlich der Beitrag, den wir leisten müssen”, heißt es im Tagebuch.

Trotz solcher Passagen muss sich die Autorin wieder und wieder rechtfertigen – gegen den Vorwurf zum Beispiel, nur triviale Dinge des Alltags zu dokumentieren, nicht die politischen Erfolge.

Fang Fang antwortet mit dem Ethos einer Romanautorin, erklärt, ihr Schreiben gelte immer schon denjenigen, die am Rande der Gesellschaft stehen, sie konzentriere sich lieber auf die kleinen, ganz alltäglichen Erfahrungen, die offiziellen Medien kümmerten sich schon um den Rest.

Zur Zeit der Abriegelung von Wuhan wurde die chinesische Schriftstellerin Fang Fang mit ihrem Blog zur großen Trösterin der eingesperrten Menschen.

Jetzt ist ihr Blog über das Leben, Sterben und Schweigen in Wuhan als Tagebuch erschienen.

Fang Fang, “Wuhan Diary.

Tagebuch aus einer gesperrten Stadt“ ist übersetzt von Michael Kahn-Ackermann bei Hoffmann und Campe erschienen.

Die Autorin ist nah an ihrem Publikum, sie kennt die Stimmung in diesem Moment, den Hunger nach Informationen, nach Wahrheit, auch nach Trost.

Das spürt der Leser auf jeder Seite.

In der Buchform allerdings verlieren die Einträge ihr Aufgehobensein im Augenblick, ein Buch bringt auch andere Erwartungen ins Spiel als die flüchtige Kunst des Bloggens.

Vieles, was fürs Netz geschrieben wird, erscheint – zwischen Buchdeckel gebunden – plötzlich schlicht, nicht ganz ausgearbeitet, redundant.

Das ist kein Problem der Texte, sie sind nicht dafür geschrieben, wie Literatur gelesen zu werden, es ist ein Problem des Kontexts.

Und das trifft auch dieses Tagebuch – gerade den Beginn vieler Einträge: Jeder weiß heute, wie wichtig der Blick in den Himmel in Zeiten der Isolation ist.

Nur wirkt der wiederholte Wetterbericht – aus dem Kontext des täglichen Schreibens und Lesens im Blog gerissen – eher wie ein schwaches literarisches Motiv.

Das fällt gerade in den Momenten auf, in denen die Autorin einen dichten Text webt, wenn Abbrüche, Leerstellen, Bilder die Alltagssprache durchbrechen.

Dann spürt man wieder, dass in der konzentrierten Beschreibung, im Kondensieren von Gefühlen und Stimmungen die Kraft eines Buches liegt.

Dem Augenblick hingegen wird ein Text zwischen Buchdeckeln immer nur hinterherhinken können.

Wuhan Diary – Fang Fangs populärer Blog über den Corona-Lockdown

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