Coronavirus-Epidemie – eine Herausforderung für Deutschland

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In Deutschland steigt täglich die Zahl der Coronavirus-Infizierten. Zwei Tote aus NRW wurden bereits gemeldet und über 1100 Infizierte registriert. Tendenz: steigend. Was tut Deutschland gegen die Ausweitung der Epidemie?

In Deutschland sind aufgrund des Coronavirus zwei Menschen gestorben. Das haben der Kreis Heinsberg und die Stadt Essen am Montag mitgeteilt. In Essen starb eine 89-jährige Frau, bei der das Virus am vergangenen Dienstag festgestellt worden sei.

Nach einem Coronavirus-Verdacht an einer Brandenburger Schule befinden sich 4000 bis 5000 Menschen in häuslicher Quarantäne.

Zum Eindämmen der Coronavirus-Epidemie hält Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch das Absagen von Veranstaltungen mit weniger als 1000 Teilnehmern für sinnvoll – wenn das Infektionsrisiko hoch ist. „Die Zahl 1000 heißt ja nicht: Alles da drunter ist per se ok und alles da drüber ist per se nur problematisch“, sagte der CDU-Politiker in Berlin.

Alle Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern sollten aus Sicht seines Ministeriums in den kommenden Wochen und Monaten grundsätzlich nicht stattfinden. Das gebiete die Corona-Lage und das Ziel, die Ausbreitung zu verlangsamen. Kleinere Veranstaltungen müssten individuell auf das Infektionsrisiko hin betrachtet werden.

Die Größenordnung 1000 Teilnehmer begründete Spahn damit, dass sie ein stückweit europäischer Standard geworden sei. „Es gab ein Bedürfnis danach, das habe ich gespürt in vielen Gesprächen, mal ein Parameter zu haben“, fügte er hinzu. Spahn kritisierte zudem, dass es in den vergangenen Tagen aus seiner Sicht in bestimmten Regionen Deutschlands und bei bestimmten Ereignissen zu zaghaft zu Absagen gekommen sei. Mit dem Festlegen der Zahl habe er auch denjenigen den Rücken stärken wollen, die solche Entscheidungen zu treffen haben.

Drive-In Station für den Coronavirus-Test
Drive-In Station für den Coronavirus-Test
(DPA)

Klinik richtet Drive-in für Coronavirus-Test ein

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Menschen mit dem Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion können sich an einer speziellen Station in Baden-Württemberg aus dem Auto heraus testen lassen. Zwei „Drive-In“-Stationen nahmen am Montag im Landkreis Esslingen ihren Betrieb auf. „Man bleibt einfach im Auto sitzen und kurbelt das Fenster runter“, sagte der Leiter des Landratsamts, Peter Keck, in Nürtingen. Ärzte und Helfer in Schutzkleidung nehmen am Wagen einen Abstrich von Mund und Nase. Voraussetzung sei, dass der Bürger sich in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten hat und Krankheitszeichen aufweist. Eine ähnliche Anlage für Virustests gibt es auch in Groß-Gerau in Hessen.

„Wir schicken die Proben einem Labor in Karlsruhe“, erklärte der Esslinger Gesundheitsdezernent Christian Baron. Die Ergebnisse seien nach 24 bis 48 Stunden da. Bis dahin sollen die Betroffenen zu Hause bleiben. „Wir informieren die Bürger telefonisch über das Ergebnis“, erklärte Baron weiter. Wenn das Ergebnis positiv ausgefallen ist, mache sich das Gesundheitsamt daran, die Kontaktpersonen des Infizierten zu ermitteln, erläuterte Keck.

Der Test selbst soll etwa fünf Minuten dauern. Voraussetzung dafür ist eine telefonische Diagnose von einem Hausarzt.

Robert-Koch-Institut: „Das ist eine ernste Lage“

Das Robert Koch-Institut (RKI) dringt auf schnelle Vorkehrungen gegen eine starke Zunahme von Infizierten mit dem neuen Coronavirus. „Das ist eine ernste Lage, und diese Lage könnte sich weiter zuspitzen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Montag in Berlin. Es sei sicher, dass die Fallzahlen zunehmen werden. „Auch in Deutschland selbst wird es Todesfälle durch Covid-19 geben.“ Um eine schnelle Ausbreitung zu verhindern, müssten die zuständigen Behörden vor Ort auch über den Umgang mit Großveranstaltungen und mögliche zeitweise Schließungen öffentlicher Einrichtungen entscheiden – „und zwar schon, bevor es massenhaft Fälle in einer Gegend gibt.“

Wieler betonte, Arztpraxen, Kliniken oder Altenheime müssten jetzt mit Covid-19-Patienten umgehen können. „Die Vorbereitungen müssen jetzt abgeschlossen sein.“ Alle müssten sich auf eine große Zahl an Patienten einstellen, und auch auf Patienten, die intensivmedizinisch betreut und beatmet werden müssten.

Coronavirus - Impfstoff erst im nächsten Jahr
Coronavirus – Impfstoff erst im nächsten Jahr
(DPA)

Impfstoff erst im nächsten Jahr

Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus schließt der Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, nicht aus, dass vielleicht schon im nächsten Jahr erste Bevölkerungsgruppen durch eine Impfung geschützt werden könnten.

Er rechne mit ersten klinischen Prüfungen in Deutschland im Sommer bis Herbst dieses Jahres und wolle nicht ausschließen, dass dann im kommenden Jahr größere klinische Prüfungen mit Tausenden oder vielleicht Zehntausenden Probanden beginnen könnten, sagte Cichutek am Montag in Berlin. „Man darf hier nichts zu sehr beschleunigen. Wir brauchen verträgliche, sichere Impfstoffe, die dann auch wirksam sind, aber trotzdem haben wir vielleicht die günstige Lage, dass wir hier schon besondere Bevölkerungsgruppen im Rahmen der klinischen Prüfungen auch schützen könnten.“

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) rief am Montag mit Blick auf Medikamente und einen möglichen Impfstoff zu Geduld auf. „Die Forschung dauert und wir können an dieser Stelle keine Wunder erwarten“, sagte die CDU-Politikerin. Weil es Zeit brauche, lege man so großen Wert darauf, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. „Die Entwicklung des Impfstoffes ist extrem aufwendig.“ Die Ministerin kündigte weitere 145 Millionen Euro Mittel zur Erforschung des Coronavirus an. Sie rechne damit, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages am Mittwoch die Gelder bewilligen werde.

Nach Daten des RKI mit Stand von Montagfrüh sind in Deutschland inzwischen 1112 Infektionen in 198 Landkreisen und 15 Bundesländern bestätigt. Am stärksten betroffen sind demnach neben dem nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg die Städteregion Aachen sowie die Landkreise München, Köln und Freising.

Weltweit haben sich inzwischen weit mehr als 100.000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer liegt Experten zufolge noch wesentlich höher.

DPA
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