Goldener Bär: “Es gibt kein Böses” bester Film

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Die Berlinale-Jury hat entschieden. Der Beitrag von Mohammad Rasoulof „There Is No Evil“ – ein Film über die Todesstrafe im Iran – gewann den Goldenen Bären. Der Filmemacher selbst durfte aus dem Iran nicht ausreisen.

Die Berlinale bleibt politisch: Der iranische Film „There Is No Evil“ („Es gibt kein Böses“) über die Todesstrafe im Iran gewann am Samstagabend den Goldenen Bären für den besten Film. Filmemacher Mohammad Rasoulof selbst durfte nicht ausreisen. Als beste Darstellerin ehrte die internationale Jury Paula Beer für ihre Hauptrolle in Christian Petzolds Produktion „Undine“.

Die „Undine“ sei eine derart besondere Figur, „weil sie sich zwischen Märchen und Wahrheit bewegt“, sagte Beer über die Auszeichnung. Beim diesjährigen Filmfestival in der deutschen Hauptstadt konkurrierten 18 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären.

Die ZDF/Arte-Produktion des Filmemachers Rasoulof heißt im Original „Sheytan vojud nadarad“. Rasoulof durfte zwar nicht am Festival teilnehmen, bei der Pressekonferenz im Anschluss der Gala schaltete sein Team ihn jedoch per Smartphone zu. „Mit dem Film wollte ich zeigen, dass einige die Verantwortung wegschieben und sich auf höhere Mächte verlassen“, sagte er. Viele hätten jedoch die Kraft, etwa der Regierung „Nein“ zu sagen, betonte Rasoulof.

Der Jurypräsident und britische Schauspieler Jeremy Irons sagte, die vier Geschichten im Film zeigten, „welches Netz durch autoritäre Regimes zwischen normalen Menschen gewebt wird, um sie zur Unmenschlichkeit zu zwingen“.

Am Sonntag endet die erste Berlinale unter der neuen Doppelspitze aus der Niederländerin Mariette Rissenbeek und dem Italiener Carlo Chatrian. Sie lösten Berlinale-Urgestein Dieter Kosslick ab. Unter Kosslick war die Berlinale immer auch politisch.

Nun setzte auch die Jury unter Irons mit der Entscheidung für den Hauptpreis an Rasoulofs Film ein klares Zeichen: Der Iraner war 2019 zu einem Jahr Haft wegen „Angriffs auf die Sicherheit des Landes“ verurteilt worden, trat die Strafe aber noch nicht an. Außerdem erhielt er ein lebenslanges Verbot, Filme zu machen.

Als politisch zu deuten ist auch die Entscheidung der Jury, den Großen Preis der Jury an „Never Rarely Sometimes Always“ zu verleihen, der vorab bereits als Favorit gegolten hatte. Darin thematisiert die US-Regisseurin Eliza Hittman Abtreibungen bei Teenagerinnen. Mit Spannung war die Bewertung des Films durch die Jury auch deshalb erwartet worden, weil Jurypräsident Irons vorab wegen früherer Aussagen über Abtreibungen als frauenfeindlich kritisiert worden war.

„Berlin Alexanderplatz“ geht leer aus

Als Favorit galt auch die Neuverfilmung des Buchklassikers „Berlin Alexanderplatz“ des deutsch-afghanischen Filmemachers Burhan Qurbani – der Film über einen westafrikanischen Migranten in Berlin ging jedoch leer aus.

Auch dem deutschen Kameramann Jürgen Jürges überreichte die Jury einen Silbernen Bären. Er erhielt die Auszeichnung für seine Arbeit an dem umstrittenen Wettbewerbsfilm „Dau. Natasha“, eine großangelegte Simulation des totalitären Systems unter Josef Stalin. Der Film ist Teil des Mammutprojekts, für das 400 Menschen zeitweise abgeschnitten von der Außenwelt in der Ukraine lebten.

Die beste Regie führte nach Auffassung der Jury der Südkoreaner Hong Sangsoo bei dem Film „The Woman Who Ran“ („Die Frau, die rannte“). Über den Silbernen Bären als bester Darsteller konnte sich der Italiener Elio Germano freuen, der in gleich zwei italienischen Wettbewerbsbeiträgen mitgespielt hatte. Ausgezeichnet wurde er nun für seine Performance in der Künstlerbiographie „Hidden Away“.

Der zweite Film, in dem er mitspielte, ging aber auch nicht leer aus: Die italienischen Zwillingsbrüder Fabio und Damiano D’Innocenzo wurden für das Drehbuch von „Bad Tales“ geehrt, das sie nach eigener Aussage schon im Alter von 19 Jahren geschrieben hatten.

In diesem Jahr fand bereits die 70. Ausgabe der Berliner Filmfestspiele statt – anlässlich dessen wurde ein Silberner Bär der 70. Berlinale verliehen. Gewinner war ein besonders zeitgemäßer Film: „Delete History“ behandelt auf satirische Art und Weise die Gefahren von Smartphones und sozialen Medien.

DPA
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