Iran: MEP berichtet von 50 Coronavirus-Toten in Ghom

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Ein iranischer Abgeordneter hat die Regierung beschuldigt, das volle Ausmaß des Coronavirus-Ausbruchs im Land zu vertuschen. Allein in der Pilgerstadt Ghom seien 50 Menschen gestorben – das Gesundheitsministerium dementiert.

Der Abgeordnete Ahmad Amirabadi Farahani soll den iranischen Gesundheitsminister beschuldigt haben, über Ausbruch und Verbreitung der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 im Iran „gelogen“ zu haben. Das berichtete das Nachrichtenportal „Middle East Eye“ am Montag. Am gleichen Tag erklärte die iranische Regierung, dass landesweit nur zwölf Menschen am Coronavirus gestorben seien und wies die Aussagen des Politikers zurück.

Die dem Reformisten-Lager nahe stehende Nachrichtenagentur ILNA berichtete, dass der Gesetzgeber Farahani von „50 Todesfällen“ allein in Ghom spreche. Die Ansteckungsgefahr in Ghom scheint durchaus hoch zu sein. Schließlich gehört Ghom zu den heiligen Städten für Schiiten und ist daher ein viel besuchter Pilgerort.

Selbst mit der geringeren Zahl von 12 Todesfällen ist die Relation der Todesfälle in Proportion zur Zahl der bestätigten Infektionen durch das Virus im Iran höher als in jedem anderen Land – einschließlich China und Südkorea, wo der Ausbruch viel weiter verbreitet ist.

Die Weltgesundheitsorganisation sagte letzte Woche, dass das Virus in zwei Prozent der infizierten Fälle tödlich war. Im Iran macht die Zahl der Todesfälle nach Angaben des Gesundheitsministeriums fast 20 Prozent der Gesamtinfektionen aus.

Maßnahmen der Regierung gegen Virusausbruch unzureichend

Der iranische Abgeordnete legte für seine Behauptung keine Beweise vor, sagte aber laut der internationalen Nachrichtenagentur „AP News“, dass mehr als 250 Menschen in Ghom unter Quarantäne stünden. Die Stadt ist für ihre Seminare bekannt, die schiitische Studenten aus dem Iran und anderen Ländern anziehen. Die Schulen dort seien geschlossen worden.

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„Ich denke, die Leistung der Verwaltung bei der Kontrolle des Virus war nicht erfolgreich“, sagte Farahani und bezog sich dabei auf die Regierung von Präsident Hassan Ruhani. Seine Bemerkungen stellen die bisher größte öffentliche Kritik an der Regierung für ihren Umgang mit dem Virus dar, das im Dezember in China seinen Ursprung hatte.

„Keine der Krankenschwestern hat Zugang zu angemessener Schutzausrüstung“, sagte Farahani und fügte hinzu, dass einige Spezialisten des Gesundheitswesens die Stadt sogar verlassen hätten.

Daraufhin soll sich die iranische Regierung zu Wort gemeldet und versprochen haben, mit ihren Zahlen transparent zu sein. „Wir werden alle Zahlen zu den Todesfällen im ganzen Land bekanntgeben. Wir versprechen, bei der Berichterstattung über die Zahlen transparent zu sein“, sagte Regierungssprecher Ali Rabiei in einer Pressekonferenz, die live im staatlichen Fernsehen übertragen wurde.

Bemerkenswert ist die jüngste Aussage des iranischen Innenministers Abdulreza Rahmanifazli. Dieser behauptete laut dem Nachrichtenportal „Al-Monitor“, dass der Ausbruch des Coronavirus möglicherweise zu der rekordverdächtig niedrigen Wahlbeteiligung an den Parlamentswahlen vom 21. Februar beigetragen hätte. Diese Stellungnahme kommt auch einem Eingeständnis gleich, wonach sich der Virus offenbar beachtlich im Land ausgebreitet haben könnte.

Nachbarländer schließen Grenzen

Zusätzlich meldeten Kuwait, Bahrain, Irak und Oman am Montag ihre ersten eigenen Coronavirus-Fälle. Kuwait gab drei Infektionen an und Bahrain eine, wobei alle aus dem Iran stammen.

Die irakische Regierung erklärte indes, dass es sich bei dem ersten Fall im Irak um einen älteren iranischen Staatsbürger handele, der in der südlichen Stadt Nadschaf lebe. Das bestätigten auch die Gesundheitsbehörden. Die beiden omanischen Frauen, bei denen die Krankheit diagnostiziert wurde, hätten zuvor den Iran besucht, sagte das omanische Staatsfernsehen. Die Frauen seien jedoch in einem stabilen Zustand, hieß es.

Die omanische Zivilluftfahrtbehörde reagierte und hat alle Flüge zwischen dem Sultanat und dem Iran eingestellt. Fünf der insgesamt sieben Nachbarländer des Iran – Irak, Türkei, Afghanistan, Pakistan und Armenien – haben ihre Grenzen zur Islamischen Republik geschlossen.

Andere Länder der Region, darunter Saudi-Arabien, Kuwait, Jordanien und Georgien, haben ebenfalls Reise- und Einwanderungsbeschränkungen verhängt.

TRT Deutsch
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