Maas über die Situation in Idlib: Wir befürchten eine humanitäre Katastrophe

0
Bei der Münchner Sicherheitskonferenz haben der deutsche und türkische Außenminister gemeinsam gefordert, das syrische Regime müsse seine Angriffe auf Idlib stoppen. Insbesondere Russland solle seinen Einfluss zur Deeskalation geltend machen.

Außenminister Heiko Maas hat am Montag bei der Münchner Sicherheitskonferenz Russland aufgefordert, auf ein Ende der Kämpfe in der syrischen Provinz Idlib hinzuwirken. „Wir haben große Befürchtungen, dass es da zu einer humanitären Katastrophe kommt, wenn die Kämpfe, die es da gibt, nicht zum Ende kommen“, sagte er am Samstag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz nach Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu und Russlands Außenminister Sergej Lawrow.

Deutschland erwarte von Moskau, seinen Einfluss auf die syrische Regierung zu nutzen, „damit diese Angriffe beendet, die Kampfhandlungen eingestellt werden“, sagte Maas. „Ansonsten rechnen wir damit, dass noch mehr Menschen die Region verlassen werden. Das ist etwas, woran niemand ein Interesse haben kann.“

An diesem Samstag sprachen auch Lawrow und Çavuşoğlu in München über die Lage in Idlib. Während Ankara in der Region die Opposition unterstützt, steht Moskau in dem Konflikt an der Seite des syrischen Diktators Baschar al-Assad.

Türkei für Idlib-Waffenstillstand mit diplomatischen Mitteln

„Wir wollen eine sichtbare Unterstützung von Deutschland und den anderen europäischen Ländern und der EU sehen, wie wir sie von Großbritannien und den USA gesehen haben“, formulierte Mevlüt Çavuşoğlu seine Forderung nach mehr Solidarität. „Wenn wir das nicht verhindern können, wird es eine große humanitäre Tragödie geben“, fügte er in Bezug auf die Eskalation des syrischen Regimes hinzu.

Der türkische Spitzendiplomat informierte, dass Briketthäuser, die an der türkischen Grenze für Flüchtlinge mit deutscher Hilfe gebaut wurden, nur eine vorübergehende Lösung sein können. Wichtig sei es, einen dauerhaften Waffenstillstand zu erreichen, sagte er und fügte hinzu:

„Wir wollen dies durch Diplomatie mit Russland erreichen, aber wenn dies nicht möglich ist, hat unser Präsident [Recep Tayyip Erdoğan] bereits angekündigt, dass wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen werden, weil das Regime nicht nur unschuldige Menschen ins Visier nimmt. Es zielt auch auf unsere Soldaten an den Beobachtungspunkten im Feld ab.“

„Es ist unmöglich, dass wir dies tolerieren“, unterstrich der türkische Top-Diplomat.
Nach jüngsten Angaben der Vereinten Nationen sind seit Anfang Dezember mehr als 800.000 Menschen aus der letzten großen syrischen Rebellenhochburg vertrieben worden. Kaltes Winterwetter von bis zu minus sieben Grad vergrößere die Not weiter.

EU-Staaten über Eskalation in Idlib „alarmiert“

In der Region um Idlib leben nach UN-Schätzungen rund drei Millionen Zivilisten. Viele sind schon mindestens einmal vor den Regierungstruppen geflohen, weil sie Verfolgung und andere Repressionen befürchten. Die Truppen von Syriens Baschar al-Assad hatten im vergangenen Jahr eine Offensive auf Idlib begonnen. Trotz einer Waffenruhe setzten sie die Angriffe zusammen mit der verbündeten russischen Luftwaffe und pro-iranischen Schiiten-Milizen auch in den vergangenen Wochen fort.

Nach einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats hatten bereits am Freitag mehrere EU-Staaten die Situation in Idlib scharf kritisiert. Man sei wegen des eskalierenden Konflikts „zutiefst alarmiert“, teilten Deutschland, Frankreich, Polen, Estland und Belgien in New York mit.

TRT Deutsch und Agenturen
Share.

Leave A Reply