Türkei: Welle der Solidarität nach dem Erdbeben in Elazığ

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Die türkische Provinz Elazığ wurde am vergangenen Freitag von einem Erdbeben überrascht. Zu sehen waren dramatische Bilder – aber auch emotionale Szenen von Menschlichkeit und Solidarität.

Die türkische Provinz Elazığ wurde am vergangenen Freitag von einem Erdbeben überrascht. Zu sehen waren dramatische Bilder – aber auch emotionale Szenen von Menschlichkeit und Solidarität.

Die türkische Provinz Elazığ wurde am vergangenen Freitag von einem Erdbeben überrascht. Zu sehen waren dramatische Bilder – aber auch emotionale Szenen von Menschlichkeit und Solidarität.

Die türkische Provinz Elazığ in Ostanatolien ist am vergangenen Freitag von einem Erdbeben überrascht worden. Es folgte eine von allen Gesellschaftsschichten getragene Solidaritätswelle. Künstlich aufgeblähte Politdebatten wurden durch den Zusammenhalt des Volkes im Keim erstickt. Bemerkenswert war auch die Zivilcourage eines jungen Syrers, der dafür vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan gewürdigt wurde.

Die Türkei ist ein Erdbebenland

Die Türkei ist aufgrund der Nordanatolischen und Ostanatolischen Verwerfungen als Erdbebenland eingestuft. Das zweitgrößte Erdbeben der türkischen Geschichteereignete sich vor keiner allzu langen Zeit: Am 17. August 1999 wurde die ganze Marmararegion mit Epizentrum in Gölcük fast eine Minute lang erschüttert.

Da sich das Erdbeben gegen 3 Uhr nachts ereignete, wurden die Einwohner mitten im Schlaf überrascht. Mit großer Sorge verfolgten die Türken in Europa die Nachrichten. Zeitzeugen berichten, dass der Staat praktisch außer Betrieb war. Wochenlang lagen etliche leblose Körper unter den Trümmern. Es roch nach Tod und Verwesung. Am Ende wurden rund 17 500 Todesopfer und 23 800 Verletzte festgestellt. Im Nachhinein wurde vom Finanzministerium versehentlich zugegeben, dass die für die Erdbebenopfer gedachten Gelder vom Internationalen Währungsfonds als Gehälter an Beamte und Arbeiter gingen.

Das Erdbeben in Elazığ

In den vergangenen Wochen kam es in der Türkei, vor allem in der Marmararegion, vermehrt zu Erdstößen – die bis auf wenige Verletzte glücklicherweise keinen großen Schaden anrichteten. Doch am Freitagabend gegen 19 Uhr Ortszeit kam es in der ostanatolischen Provinz Elazığ zu einem verheerenden Erdbeben der Stärke 6,8, das auch in den umliegenden Städten spürbar war. Das war ein Schockmoment für die ganze Türkei, da die Erdbeben von 1999 in Gölcük und 2011 in Van seelische Spuren hinterlassen haben.

Nach aktuellem Kenntnisstand kamen über 40 Menschen ums Leben, 45 weitere konnten aus den Trümmern gerettet werden. Man muss festhalten, dass die schmerzlichen Erfahrungen mit Erdbeben die türkische Katastrophenschutzbehörde AFAD anscheinend professionalisiert haben. Der Staat hat dieses Mal schneller reagiert. Die zahlreichen Hilfsorganisationen und das Volk waren zur Stelle.

Solidaritätswelle übertrumpft politische Debatte

Man verfolgt in solchen Zeiten auch reflexartig die Reaktionen im In- und Ausland und stößt dabei auf einige negative Kommentare – und auf das internationale PKK-Milieu. Dieses versucht krampfhaft eine künstliche Rassismusdebatte zu entfachen, weil die Mehrheit der Einwohner in Elazığ Kurden sind. Wieso instrumentalisiert man eine Naturkatastrophe für politische Zwecke? Die ethnische Zugehörigkeit der Opfer spielt für die Menschen in der Türkei keine Rolle. Das Leid der Menschen zum Politikum zu machen, wird den Erdbebenopfern keine Hilfe sein. Das, was unsere Aufmerksamkeit verdient, ist die überwältigende Solidaritätswelle des Volkes – das trotz aller politischen Differenzen in solchen Notlagen zusammenhält. In diesen schwierigen Zeiten wird nicht zwischen Parteien oder Ideologien unterschieden. Das Gewissen ist der Kompass des Menschen.

In den zwei Tagen, an denen der Text verfasst wurde, konnten allein in Deutschland mehr als 169.000 Euro für die Hilfsorganisation WEFA aufgebracht werden, die mit AFAD und dem Türkischen Roten Halbmond kooperiert. In sozialen Medien wie Twitter und Facebook haben sich zahlreiche Menschen gemeldet und boten den getroffenen Menschen ihre Wohnungen und Häuser an. Es wurden Fahrgemeinschaften gebildet, um den Betroffenen in Elaziğ und Malatya Hilfsgüter wie Decken, Zelte und frische Kleidung persönlich zu übergeben.

Auch die Prominenz startete Spendenaktionen. Zuletzt der türkische NBA-Star Cedi Osman, der für jeden erfolgreichen Dreierwurf 100 US-Dollar versprach und noch etwas drauflegte. Allein durch die von ihm initiierte Spendenaktion – an der sich auch Fußballer wie der für Werder Bremen spielende Nuri Şahin, Arda Turan und Yusuf Yazici beteiligten – wurden mehr als 60.000 Dollar gesammelt. Das löste eine Kettenreaktion aus, die die ganzen Aufwiegler und negativen Kommentare vergessen ließ.

Zivilcourage vereint Herzen

Wir sollten aber trotzdem nicht die positiven Dinge aus den Augen verlieren. Es wird schon so zu viel Hass und Häme in den Vordergrund gestellt, weshalb man unbewusst das Menschliche verdrängt. Da ist beispielsweise der junge Syrer, der eine Mutter aus den Trümmern rettete. Mahmud El Osman kam als Flüchtling aus dem syrischen Hama in die Türkei. Derzeit ist er als Student an der Elazığ Universität immatrikuliert. Als sich das Erdbeben ereignete, verließ er das Studentenwohnheim, nahm sein Herz in die Hand und grub mit bloßen Händen bis er auf Dürdane Aydın stieß. Im Krankenhaus sagte sie später: „Einige Menschen bringen die Syrer in Verruf, doch dieser Junge hat mich mit seinen verschlagenen und blutüberströmten Händen aus den Trümmern gerettet. Das werde ich niemals vergessen.“ Diese Zivilcourage ging auch nicht am türkischen Staatspräsidenten vorbei. In einer Livesendung versprach er Mahmud und seiner in Idlib lebenden Familie die türkische Staatsbürgerschaft. In Zeiten, in denen syrische Flüchtlinge von gewissen Milieus für gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme verantwortlich gemacht werden, ist es von besonderer Bedeutung, dass man sie für ihr selbstloses Handeln würdigt. Menschen wie Mahmud, die vor dem Krieg flüchten und in einem fremden Land ihr Leben aufs Spiel setzen, verdienen eigentlich in den Medien mehr Platz.

Auch nicht zu vergessen: Der junge türkische Soldat mit zittriger Stimme, der einer verschütteten Mutter mit Kind Mut machte und half – oder die vielen Rettungskräfte, die vor der Kamera in Tränen ausbrachen. In Elazığ kamen die Rettungshelferin Emine Kuştepe, die mit ihren Anweisungen in kurdischer Sprache acht Menschenleben rettete, und der türkische Rettungshelfer aus der Schwarzmeerregion zusammen, um an einem Strang zu ziehen. Wer könnte diesen Zusammenhalt zerstören?

Das Volk in der Türkei beweist mit seinen humanitären Aktionen auch und gerade in diesen Tagen, dass die Menschlichkeit nicht unter den Trümmern vergraben wurde. Das macht Hoffnung angesichts der Tatsache, dass einige geistige Brandstifter die politischen Diskurse zu dominieren versuchen, um einen Keil zwischen die Menschen zu treiben. Barmherzigkeit ist die Größte aller Tugenden. Sie zu wahren, ist eine große Herausforderung, die aber oberste Priorität für uns alle haben sollte.

Meinungsbeiträge geben die Ansichten des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder. Für Anfragen wenden Sie sich bitte an: [email protected]

TRT Deutsch
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