Homeschooling verstärkt Ungerechtigkeit in der Bildung – Top News

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Kinder aus Akademiker-Familien haben die besseren Noten.

Das war schon vor der Corona-Pandemie so.

Darum warnen Lehrer und Bildungsexperten: Für Kindern aus sozial schwächeren Familien könnten die Corona-Krise nun auch noch zur Bildungs-Krise werden.

Hamza und Ensar Bahçi gehen in die vierte und fünfte Klasse.

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Ohne die Hilfe ihres großen Bruders Mücahid ginge in Sachen Homeschooling gar nichts.

Er ist 22 und studiert in Heidelberg Jura.

Sein Vater arbeitet ganztags und spricht schlecht Deutsch.

Die Mutter und sein Onkel arbeiten im Schichtbetrieb.

Sie haben kaum Zeit für Homeschooling.

Deshalb hat Mücahid beschlossen, seine zwei kleineren Brüdern und die Kinder seines Onkels zu Hause zu betreuen.

Sie treffen sich zweimal die Woche und arbeiten die Aufgaben ab, die die Lehrer den Kindern zugeschickt haben.

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Manche haben auch keinen Laptop zu Hause und sind nur noch per Handy online.

Das eignet sich kaum für den Onlineunterricht.

Jetzt hinterlegt die Lehrerin Ausdrucke auf Papier im Pausenhof.

Dort können die Kinder ihre Hausaufgabenblätter abholen und ganz analog bearbeiten.

Der Lernerfolg hängt vom Elternhaus ab

Bildungswissenschaftler warnen vor Benachteiligung

Prüfungen nicht gleich zu Beginn

Doch nicht alle Familien haben jemanden wie Mücahid daheim, der einspringen kann, wenn die Eltern tagsüber arbeiten müssen.

Lehrerinnen wie Birgit Dittmer-Glaubig erleben immer wieder, wie sehr der Lernerfolg im Homeschooling vom sozialen Umfeld abhängt.

Eltern mit höherem Schulabschluss eignen sich nicht nur besser als Aushilfslehrer, sie haben auch öfter Homeoffice als Menschen in handwerklichen Berufen.

Dittmer-Glaubig unterrichtet in der Grund- und Mittelschule an der Simmernstraße in München-Schwabing.

Seit Wochen versorgt sie ihre Schüler per Email mit Aufgaben und merkte dabei, dass Kinder aus ärmeren Familien mit weiteren Problemen zu kämpfen haben.

Kinder aus Akademiker-Familien haben die besseren Noten.

Das war schon vor der Corona-Pandemie so.

Darum warnen Lehrer und Bildungsexperten: Für Kindern aus sozial schwächeren Familien könnten die Corona-Krise nun auch noch zur Bildungs-Krise werden.

Dass vielen die Möglichkeit fehlt, ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen, merkt Birgit Dittmer-Glaubig auch an den Anfragen der Eltern: Manche wollen ganz schnell neue Aufgaben für ihre Kinder.

Andere melden sich nie, oder die Arbeitsaufträge werden gar nicht zurückgeschickt.

Das Homeschooling stößt hier an seine Grenzen.

Und Bildungswissenschaftler wie Professor Ludger Wößmann vom IFO Zentrum für Bildungs-Ökonomik in München warnen: Viele Schüler könnten wegen Corona auf der Strecke bleiben.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo hat jetzt angekündigt, dass es in der Zeit nach Corona nicht gleich wieder voll losgehen soll, sondern dass die Schüler eine “gewisse Zeit des Ankommens” in der Schule bekommen sollen.

Schon ohne Corona entscheidet in Deutschland die Herkunft mehr als anderswo über den Bildungserfolg.

Jetzt kommt die Krise dazu und könnte das Problem verschärfen, Bildungswissenschaftler Ludger Wößmann.

“Wenn das länger andauert, dann am Ende, zum Jahresende das Lernziel zu schaffen, Übertritte zu bekommen: Das wird sich noch stärker auseinander entwickeln.

Homeschooling verstärkt Ungerechtigkeit in der Bildung

Jurastudent Mücahid Bahçi hofft, dass, dank seines Homeschoolings, seine zwei Brüder und die Kinder seines Onkels das nicht nötig haben.

Aber allzu lang kann er den Aushilfslehrer-Job nicht mehr übernehmen, weil er sich dann auch wieder um sein Jurastudium kümmern muss.

Deshalb hofft er auch, dass die Schule, natürlich unter Sicherheitsvorkehrungen, möglichst bald wieder starten kann.

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