Psychologie: Wie kommen wir stark durch die Coronakrise? – Top News

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Ingrid Hoinkis: Ich glaube, dass es für uns alle eine wirklich einschneidende Erfahrung war und ist.

Wir haben gesehen, dass die Menschen eine ungeheure Geduld aufbringen.

Aber wir haben auch gespürt, dass manche Dinge wirklich sehr schwierig wurden – etwa, unsere Freunde nicht mehr zu sehen.

Wie kommen Menschen mit diesem doch stark veränderten Leben, das sie im Moment führen, zurecht?

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Lange Zeit keine oder kaum Sozialkontakte, Besuchsverbote im Altenheim, Angst vor dem Virus oder Arbeitslosigkeit: Wie kommt man möglichst stark durch die Krise? Ein Interview mit der Psychologin Ingrid Hoinkis.

Ingrid Hoinkis begleitet seit mehr als 30 Jahren Menschen, die Krisen durchleben.

Auch unter den Kontaktbeschränkungen leiden viele Menschen.

Inwiefern haben Sie das gespürt?

Ingrid Hoinkis: Ich hatte heute Morgen eine Patientin, die Mutter von drei Kindern ist.

Das jüngste Kind ist ein Jahr alt, ein Kind ist zweieinhalb und das älteste ist acht.

Der Mann war die ersten eineinhalb Wochen zu Hause, da ging es wohl ganz gut.

Die Frau hat heute bitterlich geweint und gesagt: “Ich kann nicht mehr.

” Sie muss den Haushalt machen, sich um die Kinder kümmern.

Eine Stunde pro Tag haben die Kinder im Moment Videokonferenzen, dann musste ihre Tochter zusätzlich ein Natur-Tagebuch machen – neben all den anderen Dingen.

Natürlich ist das dann auch für die Beziehung schwierig, wenn beide bis an den Rand gefordert sind.

Was beobachten Sie gerade in Ihrer Arbeit: Was hat während des teilweisen Shutdowns die Patienten am meisten belastet?

Ingrid Hoinkis: Es kann einen Menschen niederdrücken.

Die Lebensfreude wird geringer.

Im schlimmsten Fall führt es in eine Art Depression.

Lange Zeit keine oder kaum Sozialkontakte, Besuchsverbote im Altenheim, Angst vor dem Virus oder Arbeitslosigkeit: Wie kommt man möglichst stark durch die Krise? Ein Interview mit der Psychologin Ingrid Hoinkis.

Was macht diese Isolation oder auch das Gefühl der Einsamkeit mit Menschen?

Ingrid Hoinkis: Da fällt mir ein Patient ein, dessen Frau vor zwei Jahren gestorben ist.

Er leidet noch immer unter dem Verlust.

Er hat einen Sohn, der hat ihm das Essen am Anfang ganz vorsichtig vor die Tür gestellt.

Der Patient war ganz verzweifelt, weil er völlig abgeschnitten war.

Ich habe ihm vorgeschlagen, dass wir zusammen an die frische Luft gehen, da konnten wir Abstand halten.

Wir waren im Freien und ich glaube, das war eine gute und wichtige Erfahrung für ihn.

Und eine Single-Freundin hat gestern zu mir gesagt: “Es ist wirklich schwierig, so lange gar keinen Körperkontakt zu haben.

” Ich glaube, das ist für viele Menschen, die alleine leben, eine große Herausforderung.

Neben der Einsamkeit gibt es auch viele andere Dinge, die Menschen belasten: Viele sind in Kurzarbeit, sorgen sich um ihren Job.

Die wirtschaftliche Lage ist ziemlich übel und niemand weiß, wie lange das alles andauern wird.

Was können Sie Menschen raten, die solche Sorgen haben?

Ingrid Hoinkis: Bei den Leuten, die ganz alleine sind, hilft es, wenn sie jetzt wieder Freunde treffen können.

Oder wenn in Altenheimen zumindest wieder eine Person zu Besuch kommen darf, glaube ich, dass das schon wieder eine sehr gute Erfahrung ist.

Was aber bleibt, ist, dass wir eine räumliche Distanz halten müssen zu unseren Freunden.

Und wir können noch nicht ins Theater gehen oder Konzerte besuchen.

Unser Leben hat sich verändert.

Jetzt gibt es diverse Lockerungen.

Kann man da einfach den Schalter umlegen und sagen “ab jetzt ist die Isolation vorbei” oder bleiben möglicherweise langfristige Folgen?

Ingrid Hoinkis: Dass das eine schwere Zeit ist, vor allem für Menschen, die in eine existenzielle Not geraten, das kann man nicht kleinreden.

Da kann man nur hoffen, dass das allmählich wieder anläuft.

Was wir alle ständig praktizieren können, ist trotzdem zu schauen und wertzuschätzen, was wir haben.

Das war ja ein Nebeneffekt dieser Krise, dass alles, was uns vorher so selbstverständlich erschien, plötzlich an Bedeutung gewonnen hat und wertvoll wurde: unsere Gesundheit, unsere Freunde, unsere Familie, dass wir ein funktionierendes Gesundheitssystem haben.

Ich rate, immer hinzugucken und nicht zu sehen “das Glas ist halb leer” oder “oh Gott, was kann passieren”, sondern immer zu realisieren, was wir haben.

Dankbarkeit ist immer ein hilfreicher Faktor für unsere Seele, ein stabilisierender Faktor für unsere Psyche.

Psychologie: Wie kommen wir stark durch die Coronakrise?

Wenn jemand von der Krise “als Chance” spricht, empfinden das einige als zynisch.

Gibt es trotzdem etwas, das unsere Gesellschaft nachhaltig lernen kann?

Ingrid Hoinkis: Ich glaube, wir haben eine Chance.

Wie bei jeder Krise, die wirklich eine Veränderung mit sich bringen kann, ist die Dauer entscheidend.

Wenn eine Krise kurz andauert, dann schütteln wir uns einfach und sagen “Gott war das schrecklich, Gott haben wir Glück gehabt”.

Die Distanz, der Mundschutz und dass wir viele Dinge nicht machen können im Moment, das bleibt im Bewusstsein.

Wir können es nicht einfach abschütteln.

Und darin sehe ich auch eine Chance, dass es uns zum Innehalten und zum Nachdenken zwingt.

Es könnte wie eine Art neuer Kompass werden.

Wir können hingucken: Was hat uns gut getan in dieser Zeit? Was möchten wir hinüberretten ins “normale Leben”?

Wie sehen Sie die Chancen dafür?

Ingrid Hoinkis: Für mich wäre das Wichtigste, dass wir nicht sofort wieder zu diesem Terminwahn von früher zurückkehren.

Nach dem Motto: “Höher, schneller, weiter.

” Wichtig wäre es, etwas von der Erfahrung, die wir gemacht haben, von Solidarität, gegenseitiger Hilfe, Akzeptanz und Freundlichkeit, zu behalten.

Und natürlich wäre es wunderbar, wenn unsere Wirtschaft in irgendeiner Weise auch auf ein bisschen mehr Nachhaltigkeit umstellen könnte.

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Mehr zum Thema “Nach dem Corona-Shutdown – Leben in der “neuen Normalität” in der Sendung Theo.

Logik zum Nachhören als Podcast.

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